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Reisegruppe Teuerkauf war wieder unterwegs (oder: "Becker's Polartours")
MR-Wanderfahrt auf dem Roskilde Fjord (Dänemark) 1987
Unter der bewährten Leitung unseres Manne
Becker machte sich die "Reisegruppe Teuerkauf " auf den Weg in den sonnigen
Norden mit dem Ziel Roskilde-Fjord im Nordwesten von Seeland (Dänemark).
13 muntere Ruderer und -innen vom RC Saffonia, der RU Arkona und der harte
Kern des Märkischen Rudervereins hockten am 13. Juni 1987 in den Startlöchern,
um per BUS bzw. Pkw und Fähre (Warnemünde-Gedser) das Ziel -
Kulhuse - zu erreichen. Ein etwas verwahrloster VW-Bus machte diese Fahrt
ein bißchen abenteuerlich, es klapperte und ratterte überall,
und schließlich verlängerte eine Zwangspause mit Reifenpanne
unsere Fahrt gen Norden. Trotzdem konnten wir noch den geplanten Zwischenaufenthalt
in Fensmark einhalten, um uns die älteste Glasfabrik Dänemarks,
Holmegaard, anzusehen. Hier lernten wir, daß Glas u.a. aus Sand,
Soda und Kreide hergestellt wird und daß schon seit 1912 ( ! ) vollautomatische
Maschinen für die Herstellung von Flaschen, u.a. auch Bierflaschen
für Carlsberg, verwendet werden. Apropos Carlsberg: unter diesem Namen
verbirgt sich ein vorzügliches Bier, dessen Herstellung wir bei einem
Rundgang in der Brauerei in Kopenhagen verfolgen und dessen Geschmack wir
auch bei verschiedenen Proben in gemütlicher Runde testen konnten.
Nach der langen Anfahrt erreichten wir
unser Ziel Kulhuse gegen Abend. Zwei nordische Ferienhäuser in einer
großzügigen, reizvoll gelegenen Anlage warteten auf uns und
waren für die nächsten 7 Tage unser Quartier. Der laue Sommerabend
lud uns ein, das Abendessen in frischer Luft am Wasser einzunehmen, und
wir träumten vom "sonnigen Süden im hohen Norden " .
Der Sonnenuntergang versprach schöne
warme Rudertage ...
Doch enttäuschend der nächste
Morgen: es regnete, was das Zeug hielt, und ein Aufhören war nicht
in Sicht. zwar kann man sich gegen Regen ziemlich gut schützen, aber
der zusätzliche starke Wind machte das Rudern nicht möglich.
Darin wurden wir auch von unseren dänischen Kameraden vom Ruderclub
Roskilde bestätigt, die uns in ihrem schönen Bootshaus begrüßten.
sie hätten uns gern besseres Ruderwetter beschert, und so nutzten
wir den Tag zu einer Dombesichtigung und zum Museumsbesuch: im Roskildefjord
wurden vor ca . 2O Jahren 6 Wikingerschiffe geborgen, deren gut erhaltene
Teile in einer schönen Umgebung im Museum wieder aufgebaut wurden.
Ein gutes Mittagessen sollte uns über
den ersten verregneten Tag hinweghelfen.
Der Montag war endlich - mit typisch dänischem
Wetter: dicke Wolken, ab und zu Sonnenschein - unser erster Rudertag. "Nur
schnell in die Boote, wer weiß, wie es morgen ist", hieß die
Devise. 24 km bis Frederikssund, mit einer zünftigen Brotzeit im hübsch
gelegenen vereinseigenen Sommerhaus, waren schnell gerudert, morgen sollte
es ja weitergehen, um die fremden Gewässer zu erkunden.
Aber Petrus ließ das nicht zu, er
hatte über unser Vorhaben strömenden Regen gekippt - gepaart
mit orkanartigen stürmen, die an den nächsten beiden Tagen kein
Rudern ermöglichten .
Und was tut eine Meute Ruderer, wenn alles
grau in grau ist, der Himmel weint und die Felle alle wegschwimmen? sie
macht es sich gemütlich, und dazu gehören nun mal ein oder zwei
Gläschen, manchmal wurden es natürlich auch drei...
Und so wurde wieder nichts aus einer "Leberentlastungsreise
", die es eigentlich hätte werden sollen... Einen großen Vorteil
des feuchten und kühlen Wetters wußten wir aber zu schätzen:
die vielen Mücken, die uns am 1. Abend noch bei Sommertemperaturen
begrüßten, ließen sich nun nicht mehr sehen !
Unser Kulhuse nannten wir nun einfach
"Kühlhaus " (war das vielleicht sogar die richtige Übersetzung?).
Daß wir unsere wärmenden Handschuhe und den Schal vergessen
hatten bereuten wir zutiefst bei einer Strandwanderung, bei der wir aufpassen
mußten, daß, wir nicht den Möwen hinterherflogen...
So blieben uns für unser Tagesprogramm
mal wieder eine Besichtigung (Schloß Frederiksborg in Hillerod),
ein gutes Mittagessen, besagte Brauereibesichtigung in Kopenhagen,
Kaffeetrinken in einem gemütlichen
Cafe ( "endlich wieder Kuchen"), Einkaufsbummel und gemütliches Abendbrot
mit Smorgasbrod - von den Herren der Schöpfung zu Hause zubereitet.
Ein Partyservice hätte es nicht besser anbieten können. Vielleicht
haben die Männer hierbei ihren Frust über die bisherigen "Untaten"
beim Rudern abgelassen?
Die Tage, die zum Rudern blieben, wurden
immer knapper. wir hatten j a erst einen Tag mit 24 km hinter uns, mußten
aber wenigstens die Boote wieder zurück zum Bootshaus in Roskilde
bringen. Am Donnerstag bot sich dasselbe Bild wie an den Vortagen: "erlösender
Regen" war wieder angesagt. Doch wie wird es morgen sein? Diese Frage ließ
sich ja nicht so ohne weiteres beantworten, und so stiegen wir in voller
Regenmontur in die Boote. Zum Glück hatte wenigstens der Sturm nachgelassen.
Unsere auf einer Wiese abgestellten Boote
waren noch nicht weggeschwommen ! wir nahmen den Kampf mit Regen, Wind
und Wellen auf, erreichten mehr oder weniger durchgefeuchtet den rettenden
Hafen von Roskilde. Bei einem Saunagang wärmten wir uns auf und freuten
uns über eine Einladung bei einer dänischen Familie, die unser
"Gelchen" von Saffonia arrangiert hat. 13 mehr oder weniger hungrige und
durstige Seelen stürmten das Haus von Dorit und Lars. Sie verwöhnten
uns mit vielen leckeren Sachen, und die und die Gamle-Dansk-Flasche machte
mehrmals die Runde... Die Erschöpfung des Tages machte sich bemerkbar,
trotzdem feierten wir noch in Hartmut ' s (S. ) Geburtstag hinein.
Der nächste Tag stand ganz im Zeichen
dieses Ehrentages. Daß es wieder regnete, nahm Harte schon als Geschenk
entgegen. Außerdem freute er sich ¸über den Roskilde-Ruderpulli
von uns. Der Tag verging mit Einkaufen für das große Geburtstags-Essen
am Abend, zu dem auch unsere dänischen Gastgeber - mit selbstgebackenem
Kuchen und 46 Kerzen zur Gratulationscour kamen. wir staunten, wie gut
sie in unsere deutschen Stimmungslieder mit einstimmen konnten. Harte ließ
es sich nicht nehmen, sein Schifferklavier zum Klingen zu bringen und sich
und uns einen fröhlichen Abend zu bereiten.
Der nächste Morgen - Sonnabend - war
Abreisetag mit Umweg über Kopenhagen . Wider Erwarten lachte über
allem die Sonne, als wir Kopenhagen zu FUß und bei einer Kanalrundfahrt
(an der Nixe vorbei! ) unsicher machten. Nach dem Aufstieg auf der Außentreppe
der Erlöserkirche hatten wir einen tollen Rundumblick auf das "Venedig
des Nordens", und die bärenfellbemützte Wache am Schloß
Amalienborg verzog wieder keine Miene !
Den fröhlichen Schlußpunkt unter
unsere Reise setzte der Besuch des Tivoli. wir vergnügten uns beim
Karussell - Achterbahnfahren, im Wachsfigurenkabinett, bei Artistik und
Musik und Wandeln im stimmungsvoll beleuchteten Park . Und zuguterletzt
wollten unsere Aaaaahh ' s und ooohh ' s nicht aufhören beim prächtigen
Feuerwerk . Danach wollten wir noch einmal die abendliche Hafenatmosphäre
erleben, doch wir mußten in aller Eile unser Bier austrinken, da
hier die Sperrstunde sehr ernst genommen wird. Für uns Berliner etwas
sehr Außergewöhnliches !
wir hatten wieder eine wunderschöne
Wanderfahrt hinter uns. Der Norden wird uns trotz dieser widrigen Wetterverhältnisse
nicht abschrecken.
Aber vielleicht lockt als nächstes
wieder der gar nicht immer so sonnige Süden? Dank der liebevollen
Organisation von unserem Manne und der guten Laune aller Teilnehmer war
diese Fahrt, auch trotz der für eingefleischte Wanderruderer wenigen
Ruderkilometer, ein voller Erfolg: Kameradschaft und Geselligkeit wurden
groß geschrieben und machten aus uns eine verschworene Gemeinschaft.
Die Reisegruppe Teuerkauf freut sich schon
auf die nächste Fahrt !
Ursula Schnauck
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