Märkischer Ruderverein e.V. - Berlin
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Rudern in Hong Kong

Rudern in Hong KongUm an einer spannenden und reizvollen Rudertour teilzunehmen, muß man ja vielleicht nicht unbedingt bis nach Hong Kong reisen! Aber es ist schon etwas ganz Besonderes, dort "unten" zu rudern. Dieses "Besondere" muß man nach meiner Erfahrung erleben, es ist kaum zu beschreiben. -
Was mich an dieser Fahrt in den Fernen Osten am meisten interessierte und der Grund dafür war, daß ich mit fuhr, daß wir zusammen mit Einheimischen rudern sollten und ich mir davon versprach, Land und Leute aus einer anderen Perspektiv kennenzulernen als ein "Normaltourist". Und auch noch die Tatsache, daß es Hong Kong als solches ja nicht mehr lange geben wird (Rückgabe an China im Juli 1997).

Mitte November vergangenen Jahres trafen wir uns 10 Ruder- und Reisewillige auf dem Londoner Flughafen, um nach Hong Kong weiter zufliegen. Zwei waren schon voraus geflogen. Nach13 Stunden Flug - sehr anstrengend dieses Nichtstun im Flugzeug- landeten wir in Hong Kong. Hier wurden wir von unseren Vorgeeilten in Empfang genommen und zum Sporthotel geführt,was unsere Bleibe für die kommenden 2 Wochen sein sollte. Gleich am 1. Tag nach unserer Ankunft starteten wir eine nicht geplante Rudertour (von Royal Hong Kong Yacht Club am Deep Water Bay).
Was mich bei der Busfahrt dorthin am meisten überraschte, war die viele Gegend, d. h. nicht immer Hochhaus an Hochhaus (was man so von Fotos kennt), sonder auch jede Menge Natur, hierund dort ein Wohnsilo.
Am Deep Water Bay bot sich ein sehr idyllisches Bild. Der Ruderverein ist hier unter Obhut eines Segelvereins auf einer kleinen Insel (Middle Island). Diese ist nur für Vereinsmitglieder und deren Gäste über eine Privatf'ähre zugänglich. Im Bootshaus selbst das Übliche, viele Ruderboote usw. Nur eins war hier anders: der Bootsjunge. Dieser für das Aushändigen der Boote zuständig und er achtet darauf, daß die Boote nach dem Rudern auch gereinigt und ordentlich verlassen werden.
Wir ruderten in Bay nur 7,5 km bzw. 10 km zum Eingewöhnen. Danach ging es ans Gesellige (natürlich mußten auch wir vorher die Boote saubermachen !).
Einen Tag später begann die eigentliche Rudertour (2 Tage) mit dem Hong Kong Amateur Rowing Association vom Sha-Tin Rowing Center durch Tolo Channel an Flat Island vorbei nach Hoi Ha.
Als wir am frühen Samstagmorgen am Ruderverein eintrafen, herrschte schon reges Treiben auf dem Gelände und besonders auf dem Steg. Leute waren mit dem Aufriggern, oder besser gesagt, mit dem Zusammenbauen der Boote beschäftigt. Die Ruderboote sehen nämlich gar nicht wie Ruderboote aus, sondern eher wie Paddelboote, wobei die ganze Anlage komplett mit Rollsitz ins Boot gelegt wird! - Und hiermit sollten wir rudern? Und dein? Denn es waren ja Trimmis!
Eine Ruderin bemerkte unsere Skepsis und meinte, wir könnten ja eine kurze Übungs- bzw. Proberunde machen. Und als man in diesem "Ding" saß, war es ganz einfach. D. h., es war ein ganz normales Rudergefühl. Bis auf die Ausnahme, daß die Boote sehr viel leichter und wendiger waren als normale Trimmis.
Unser Gepäck wurde auf einem Fischerboot verstaut. Dieses sollte unser Begleit- und Rettungsboot sein, denn der Tolo Channel ist eine Art breiter Fjord, das offene Meer erwartete uns. Es ist ein wunderbares und unbeschreibliches Rudergefühl, für sich, im Boot zwischen den leichten Wellen zu schaukeln, das Meer ist blau, die Sonne scheint und eine leichte Brise ....
Zur Mittagspause legten wir an einem Strand an - hier ist von den Hochhäusern nichts zu sehen - eine wunderschöne Landschaft.
Viel zu schnell meiner Meinung nach erreichen wir unser Ziel Hoi Ha. Dies ist ein kleines Fischerdorf, was, abgesehen von ein paar Leuten, nur am Wochenende bewohnt ist. Die zwei/drei Restaurants im Ort sind auch nur dann offen. Das Quartier in Hoi Ha - es wurde von HK Rowing Association organisiert - war für unsere Verhältnisse recht eigenartig, denn alle Räume sind von oben bis unten gekachelt, sonst aber o.k.
Gemeinsames Abendessen hat man in einem der Restaurants bestellt. Hierzu sollen auch noch einige Nichtruderer kommen. Wir sind gespannt. Zum Abendessen gibt es eine Art Eintopf,o bendrauf Hühnerkrallen. Nicht nur als Dekoration, wie mir gesagt wurde, sondern auch zum Essen. Und dazu jede Menge Reis. Später gibt es dann auch gebratene Nudeln und Krebse, eine Delikatesse!
Die erwarteten Nichtruderer kommen alle etwas später. Es wird ein geselliger Abend mit Spielen und viel Spaß! Auch wenn sich nicht alle wörtlich austauschen können, versteht man sich gut und hat viel Freude miteinander.
Gegen 23 Uhr macht der Wirt zu! Sein Biervorrat ist fast alle(zum größten Teil von uns Deutschen ausgetrunken). Dabei war es gar nicht so viel.
Eine Anmerkung noch zum Essen. Die Hühnerkrallen habe ich natürlich probiert!!!
Am nächsten Tag ruderten wir von Hoi Ha um Port Island nach Grass Island zum Fischerdorf Tep Mun. Hier machten wir eine Mittagspause und probierten alle (viele) Köstlichkeiten des Meeres. Danach ging es zurück durch Tolo Channel nach Sha-Tin.
Nach diesen 2 erlebnisreichen Rudertagen in der schönen Landschaft hatten wir nun endlich Zeit, die Stadt zu erobern, das eigentliche Hong Kong. Ich habe diese Stadtbesichtigung bzw. Eroberung bald satt und nehme das Angebot zu einer nicht geplanten Rudertour wahr. Diesmal an der Südküste von Hong Kong Island von Sandy Bay nach Middle Island (UK Yacht Club), in Seegigs.

Dieses sind im großen und ganzen meine Rudererlebnisse in Hong Kong und ich habe es nicht bereut, dabeigewesen zu sein!

Auf unserer Reise nach Hong Kong waren wir auch für 2 Tage in China. Einiges in China, besonders die Grenzkontrolle, hat mich an die ehemalige DDR erinnert.
Es ist schwer vorstellbar, daß es in Hong Kong auch so aussehen wird und daß man nicht mehr ohne Weiteres einreisen bzw. auch reisen kann, aber einige Skeptiker meine "ja". Ob es dann auch möglich sein wird, dort zu rudern? Ich hoffe darauf!

Barbara Gunnlaugsdottir

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