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Rudertour 2000: Per Internet nach Kanada
Brücke bei Teslin
Über die im Kölner Ruder Verein
v. 1877 ausgehängte e-mail Adresse kam der Kontakt zum Unternehmen
"Canada Adventure Rowing" zustande, der meine Frau Margret und mich zu
der lange gewünschten Reise und Rudertour nach Kanada brachte. Getreu
dem Motto: "Ruderer sind gute Menschen" buchten wir die Tour "Up North
to the Yukon" bei den Veranstaltern, dem Schweizer Ehepaar Barbara und
Kurt Baumann, die seit mehreren Jahren in dem Ort Smithers/British Columbia
leben.
Ein 10 Stundenflug von Frankfurt/M. brachte
uns nach Vancouver und anschließend mit einer Fokker nach Smithers...
und wir wurden etwas angemüdet von Barbara und Kurt freundlich am
15.7. empfangen.
Nach letzten Einkäufen (Kartuschen
für die Schwimmwesten, dicke Wollsocken) ging die Fahrt am nächsten
Tag zusammen mit Anne Linden, einem "eschten Kölschen Mädschen
us Esch bei Kölle" los. Hier ein Halt an einer alten Indianer-Siedlung
mit Fischfang-Stegen an den Stromschnellen, dort ein Halt, um ein Totem-Museumsdorf
zu besichtigen. Am späten Nachmittag erreichten wir dann unseren ersten
Rudersee, den Meziadin-Lake, mit einer echten Bärenfalle auf dem Rastplatz.
(...Schluck, also gibt´s die doch hier...?!) Doch es war alles halb
so wild, zumal unser weiterer Reisebegleiter mit Namen Zorro (ein weißer(!),
kompakter West-Highland-Terrier), auf der gesamten Tour jeden Grizzly oder
Schwarzbär durch sein tapferes Bellen von jeder unliebsamen Annäherung
abhielt.
Die erste Ausfahrt mit dem sehr schönen
Staempfli-Doppelvierer am Vormittag brachte uns einen kleinen Vorgeschmack
auf die Größe der kanadischen Seen: Gebirgshänge, die bis
in den See herunterkommen, Stille, die nur ab und zu vom bemerkenswerten
Ruf des Loon unterbrochen wird, dem großen kanadischen Tauchvogel.
Bei kaum von einem Windhauch gekräuseltem Wasser war das ein wunderschöner
Tour-Anfang. Am Lagerfeuer wurde am Abend, wie an allen zukünftigen
Tagen unser Essen von Barbara vorzüglich gekocht. Als Nachtisch-Zugabe
gab es einen Weißkopfadler zu bewundern, der in 200m Entfernung am
Ufer fischte, und einen Biber, der frisches Grün quer über den
See zu seinem Bau schleppte. Auch den östlichen Teil des Meziadin-Lake
lernten wir am nächsten Tag noch kennen, indem wir uns den Bergketten
näherten, die mit Schnee- und Gletscher-Weiß signalisierten:
wir sind Dreitausender!
Ein Ausflug zum Portland-Channel, einem
Meeresarm, der tief ins Landesinnere einschneidet und gleichzeitig die
Grenze zwischen Alaska/USA und Kanada bildet, sollte uns Grizzly-Bären
"live" beim Lachsfischen zeigen. An dem Gletscherfluß selbst waren
aber leider nur dicke "Haufen" von Grizzlies zu besichtigen. Die anwesenden
Park-Ranger "trösteten" uns mit der traurigen Geschichte, daß
am Vorabend der Koch vom Campingplatz im nahen Stewart leider von einem
jüngeren Grizzly umgebracht und zu Nahrungszwecken herangezogen worden
sei. Der Übertäter war zwar schnell ermittelt und erschossen,
(er trieb sich noch in der Tatortnähe herum!), aber dem jungen Mann
konnte das auch nicht mehr helfen. Solche Bären-Geschichten bekamen
wir übrigens im Laufe der Tour mit mehr oder weniger aktuellem Bezug
und Detailtreue überall zu hören....
Picknick am See
Am nächsten See unserer Rudertour,
dem Kinaskan-Lake konnten wir nach einer weiteren Übernachtung wieder
direkt am Wasser zelten und machten gleich am nächsten Morgen unseren
ersten Ruderausflug. Wegen einer ziemlich "steifen Brise" kehrten wir allerdings
bald wieder um und beschlossen unser Abendbrot zu angeln. Dies gelang auch
in der Strömung des kleinen Ishut-Rivers, der aus dem Kinaskan-Lake
entspringt. Dieser Fluß erwies sich bei einem Ausflug mit dem geliehenen
Schlauchboot-Kanu am nächsten Tag als mittleres Wildwasser, das wir
durch die gute Führung von Kurt auch bravourös meisterten. Nach
ca. 8km Fahrt waren wir stolz (und ein bißchen naß), als wir
nach einigem Suchen den Landeplatz und damit den Pfad zum 1km entfernten
Highway gefunden hatten. Barbara und Anne kamen uns dort schon auf halbem
Weg entgegen, vorneweg Zorro, der durch munteres Bellen "die Bären
verscheuchte".
Die nächste Etappe führte uns
zum Dease-Lake, der wegen seiner langstreckten Form zur Goldgräberzeit
gerne zum Lastentransport und für Postdienste genutzt wurde. Von dieser
Zeit zeugten noch einige verlassene Holzhütten am malerischen Ende
des Sees. Gerade dieses Szenarium schien aber Interessenten angelockt zu
haben, denn in einer Hütte entdeckten wir einen großen Stapel
mit Regipsplatten für eine wohl zukünftige Renovierung.
Ach ja, da war doch wieder so eine (diesmal
harmlose) Bärengeschichte:Kurt sah am Zeltplatz auf genügend
Distanz einen Grizzly davonlaufen. Dies war aber immerhin Anlaß genug,
uns in der Handhabung des Bärensprays zu unterweisen. Dieses Mittel
wird nicht wegen der evtl. starken Bären-Körperdüfte eingesetzt,
vielmehr ist der darin enthaltene Chili-Pfeffer geeignet, jedem Bären
durch einen gezielten Strahl aus weniger als 6m Entfernung den "Appetit"
zu verderben...
Unser erster starker Regen machte und den
Abschied vom Dease-Lake leichter und die Fahrt führte uns weiter nördlich
zum Boya-Lake, einem "Bild" von See!!! Grün-blau getöntes klares
Wasser mit flach auslaufenden Ufern, vielen Buchten mit Biberburgen, Waldgebieten:
wunderschön! Die Ausfahrten waren von einem ständigen: Aah! und
Ooh!, sowie mit Foto-Pausen ausgefüllt. Hier wäre ein weiterer
Tag durchaus wünschenswert gewesen, aber wir hatten die Qual der Wahl
und entschieden uns (das wurde immer vorbildlich besprochen und gemeinsam
abgewogen) zur Weiterfahrt über den Alaska-Highway zu den heißen
Quellen von Liard-River.
Die heißen Quellen erwiesen sich
als vielseitiger (kostenloser) Badespaß im Bach und in einem mehr
als geräumigen Teich. Die Temperaturen im oberen Bachbereich waren
"echt heiß, ej"... und das Wasser hinterließ auf unserer Haut
einen dezenten Schwefelgeruch, lecker! Diese Badestelle war aber durch
die Nähe des Alaska-Highways ein Touri-Hit, was Unmengen von Wohn-Mobilen
bewiesen. Wir nahmen deshalb "Reiß-aus" und wieder die Richtung nach
Norden auf. Gegenüber dem Wasser-Flugplatz (!) von Watson-City machten
wir Station am Watson-Lake, nachdem wir im Ort den wohl mittlerweile weltbekannten
Schilderwald besichtigt hatten, der aus unzähligen Ortschildern mit
den jeweiligen Entfernungsangaben dorthin aus aller Welt gebildet wird.
Anderntags gelangten wir dann zu einem
der riesigen Quell-Seen des Yukon-Rivers, dem Teslin-Lake. Von hier aus
sollte die Fahrt erstmals "in die Pampa" gehen, d.h. zu einem Lagerplatz
irgendwo am See-Ufer, ohne die bisherige freundliche Platzstellung durch
die kanadische Forstbehörde. Barbara übernahm daher im Schlauch-Motorboot
den Transport der Ausrüstung an Zelten, Schlafsäcken und Essen
zur Suche eines geeigneten Rastplatzes. Zu ihrer "Bewachung" nahm sie Zorro
mit, der stolz auf dem riesigen Gepäckberg tronte. Vor der Abfahrt
mit dem jetzt reduzierten "Dreier-mit" wurden wir noch von einem Ruderer
aus Hamburg-Bergedorf angesprochen, der sichtlich freudig überrascht
unser Boot entdeckt hatte und am Liebsten mit uns gefahren wäre, schließlich
war ja ein Platz im Boot noch frei. Seine Ruder-Gelüste "minimierten"
sich jedoch rapide auf Null bei der Annäherung seiner Frau mit den
dazu gehörenden Kindern....
Unsere Rudertour auf dem Teslin-Lake startete
am späteren Nachmittag und mit Hilfe von Barbara wurde ein flacherer
Uferbereich als zukünftiger Zeltplatz bestimmt, weil es hier auch
genügend Treibholz für das Lagerfeuer gab. Bis auf die allgegenwärtigen
Mücken machten wir es uns "gemütlich" und bauten eine Terrasse
im Ufersand für die Zelte und sammelten fleißig Treibholz für
das Lagerfeuer.
Ein grandioser Abendhimmel versüßte
uns das Naturerleben, nach alter Wetterregel kündigte sich uns damit
jedoch auch Regen für den nächsten Tag an, was auch prompt der
"Fall" war. Trotz dieser "Mist"lichkeit schaffte es Barbara, uns ein leckeres
Frühstück mit heißem Kaffee zu bereiten und wir saßen
einfach wie manch stoische Politiker das schlechte Wetter aus. Am Nachmittag
konnten wir dann auch bei spiegelblankem Wasser eine ausgiebige Fahrt auf
dem 90 Meilen = 144 km langen See unternehmen. Der nächste Tag verlief
nach ähnlichem Muster: morgens Regen und ab Mittag Aufklaren, so beschlossen
wir, das "Open Air"-Leben, d.h. unser freies Camp abzubrechen, und den
Teslin-Lake in Richtung Yukon rudernt zu verlassen. Unser Beschluß
wurde noch einmal durch fantastisches Ruderwasser belohnt und Barbara erwartete
uns am vereinbarten Treffpunkt mit einem leckeren Imbiss, nachdem sie (ganz
allein auf sich gestellt!) das Motorboot im Hänger verstaut, und diesen
zu Treffpunkt gefahren hatte: Bravo, Barbara!.
Mit einem Zwischenstop an der Squangar-Lake
Campsite (eine Nacht) gelangten wir am 26.Juli zum Ort Tagish am Six-Mile-River.
Wie der Name besagt, ist dieser Fluß gerade 9,6km lang und verbindet
den Tagish-Lake mit dem Marsh-Lake, beides weitere Quell-Seen des Yukon-Rivers.
Der Tagish-Lake reicht mit seinen Nebenseen bis an die östlichen Ausläufer
des Küstengebirges mit seinen riesigen Gletschern heran. Von da kommt
auch der unerschöpfliche "Nachschub" für den über 3.000
km (!) langen Yukon-Rivers. Nach einem Abstecher zum Tagish-Lake mit unserem
neu aus der Schweiz dazugekommenden Mitruderer Martin (es war durch die
nahen Gletscher-Gipfel inzwischen recht "fröstelich") erfolgte am
nächsten Tag der Start unserer letzten Etappe über den Marsh-Lake
auf die ersten 12 km des Yukon-Rivers.
Finale am Yukon-River
Obwohl wir bei sehr ruhigem Wetter gestartet
sind, entwickelte sich ein immer stärkeres "Lüftchen" von ca.
4 Windstärken, was mit unserem C-Boot vorsichtig gesagt "recht schwierig"
wurde. Die Einmündung in den Yukon wurde nach tapferem Kampf gegen
die Wellen mit gewisser Erleichterung begrüßt. Barbara fand
uns dann auch wohlbehalten nach einigem Hin- und Her am vereinbarten Endpunkt
unserer Tour. Das Boot wurde verladen, ein letztes Foto aller Teilnehmer
von einem freundlichen Herrn (ursprünglich aus Holland) geschossen,
und dann ging die für uns letzte Fahrt nach Whitehorse ins vorab gebuchte
Hotel.
Hinter uns lagen wirklich wunderschöne,
erlebnisreiche Tage, die wir mit unseren so neu gewonnenen Freunden sehr
genossen haben. Diese setzten die Fahrt auf dem Yukon mit neuen Teilnehmern
bis nach Dawson-City (ca 600km) am nächsten Tag fort, und wir fuhren
mit dem Bus und der noch existierenden historischen Eisenbahn über
den Chilcoot- und White-Pass hinüber an die Küste in den US-Staat
Alaska.
Im Nationalpark "Glacier-Bay" bakamen wir
dann noch Wale, Robben, See-Adler und Grizzlies zu sehen, bevor wir mit
den Fährschiffen der "Inner Passage" bis zum Ort Prince Rupert gelangten
(Ein tolles Erlebnis für sich!) Mit dem Flugzeug ging es dann nach
Vancouver, das uns mit sommerlichen Temperaturen erwartete. Dort entdeckte
ich das schöne historische Gebäude des hiesigen Rowing Club´s,
konnte aber Margret dann doch nicht von der Notwendigkeit lokaler "Rudererfahrung"
überzeugen.
Na ja: dann eben beim NÄCHSTEN MAL!!!
S. Groddeck
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