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Im Vierer zum Palazzo - Tagebuch einer faszinierenden Wanderfahrt auf dem Lago Maggiore -
| Zeit: | 13.6.-22.6.1986 |
| Boote: | 2 Doppel-, 1 Riemen-Vierer m.ST. |
| Strecke: | 14O km (5 Etappen) |
| Teilnehmer: | R.U. Arkona | Lothar Frenkel | |
| B.R.C. Brandenburgia | Christina Orfert | |
| Dresdenia | Christel Hoffmann | Manfred Hoffmann |
| Märkischer Ruderverein | Manfred Becker | Klaus Jager |
| | Hartmut Lindner | Ursula Schnauck |
| | Petra Schwarzer | Michael Schneider |
| | Hartmut Selke | Jürgen Ventzke |
| RG Saffonia | Konrad Becker | Heidi Kleine |
| | Sylvia Kiesel | Margit Marx |
| | Dr. Siegfried Schiewe | Inge Wirth |
| | Horst Wirth | |
| TIB | Hilmar Scheffrahn | |
Geträumt und gesungen haben wir im Bootshaus ja schon monatelang vorher vom "Lago". Aber spätestens bei der von unseren Kameradinnen festlich und italienisch gedeckten Fahrtenbesprechungs-Tafel wurde es "ernst": Zwanzig Ruderinnen und Ruderer aus sechs Vereinen trafen letzte Vorbereitungen für eine Wanderfahrt mit drei Vierern auf dem Lago Maggiore. Nicht zuletzt machte die gut durchdachte Planung und Organisation (hierzu gehört auch Improvisationsgeschick, wenn Behörden mal nicht mitspielen! -siehe w.u.) von Fahrtenleiter Manfred Becker die Fahrt wahrlich zu einem großartigen Erlebnis.....
Freitag
Die relativ lange Anreise wurde gewürzt mit einer Übernachtung im RV Rastatt ("alte "Wanderfahrer kennen sich hier schon bestens aus!), wo wir sehr herzlich von Peter Möller und anderen Kameraden begrüßt wurden. Obwohl schon recht müde, ergab es sich, daß wir an der Stimmungsrunde des zu Gast weilenden RV Hoechst nicht einfache vorbeigehen konnten......(die Fahrdienste verdrückten sich selbstverständlich zeitig auf ihre LUMAs).
Sonnabend
Nach dem 8-Uhr-Frühstück (ganz gleich wie kurz alle folgenden Nächte auch waren: bei späterem Erscheinen gab es höchstens noch den Abwasch!) und der Verabschiedung von unseren Rastatter Kameraden ging es in flotter Fahrt Richtung Süden. Unser Kombi-Personenwagen mit dem Bootsanhänger, kurz "Hänger" genannt, startete wieder zeitiger.
Wir trafen uns dann später am Schweizer Autobahn-Mövenpick, wo unsere Schleckermäuler auf ihre Kosten kamen. Die Meisterleistung von Heidi, Conni und Michael muß bereits jetzt hervorgehoben werden:
mit drei Vierern, also einem Gespann von ca. 17m Länge, über die Alpen! Das erfordert erhebliche Spezialkenntnisse und Erfahrung (Voraussetzung: Lehrgang "Bootshänger fahren") und ist äußerst anstrengend, besonders bei schlechten und bergigen Straßen, Nässe (Bremsweg!), Dunkelheit, Stau, engen Kurven, Parkplatzsuche, Kontrollen usw.
Nun, im Konvoi, ging es bergauf. Südliche Wärme empfing uns nach dem 17 km langen Sankt-Gotthard-Tunnel. Die noch müde Ruderschar wurde langsam munter und bestaunte noch etwas ungläubig das herrliche Tessin. Nur Klaus war noch mit seinem kleinen Büchlein beschäftigt. Er sammelt nämlich -nein, nicht etwa Autogramme - er sammelt Stempel (-Abdrücke)!. Also von Kneipen, Gemüseläden, Zollstationen oder so. Er führt sozusagen ein Stempel-Fahrtenbuch. (Zuckerstücke sammeln kann ja jeder!)
Plötzlich war alles hellwach: der italienische Zollposten verweigerte dem Hänger wegen Überlänge (mehr als 6,5o m) bzw. der fehlenden Sondergenehmigung die Einreise. Das war ein Schlag! Greifbar nahe das herrliche Blau des Lago Maggiore und wir sollten knapp 3o km vor dem Ziel unsere Etappenplanung umsonst gemacht haben? - nach dem Wendemannöver auf der felsigen Uferstraße ging es zurück bis BRISSAGO. Hier also "durfte" der Fahrtenleiter mit seinen Obleuten improvisieren und organisieren. Huch, war das aufregend, vor allem die Diskussionen mit den hier fast nur italienisch sprechenden Schweizern!
Von jetzt ab spielte sich alles so ab, als ob es nie anders geplant war. Mit Hilfe der örtlichen Polizeibehörde und dem Verwalter eines Bocciabahn-Geländes erhielt der Hänger 200 m vom Ufer entfernt einen Standplatz für die nächsten Tage.
Wir fuhren dann also ohne Hänger über die Grenze weiter nach VERBAVIA/INTRA, wo wir in einer landschaftlich sehr reizvoll eingebetteten Apartment-Anlage das bestellte Quartier bezogen. Wir konnten uns für eine Woche häuslich einrichten, mußten also nicht - wie meist auf Flußwanderfahrten unumgänglich - jeden Tag das Gepäck zusammenklauben. In Anbetracht der südländischen Umgebung und der warmen Nächte könnte man demnach fast von Urlaub sprechen.....
Also, der erste Abend am Lago Maggiore (oder Verbano, wie ihn die Römer nannten) sollte auch wirklich der Erholung dienen. Teils zog man sich auf die Zimmer zurück, (größten)- teils wollte man auch Oberitalienische Weine probieren.
Siehe da, im Ristorante unserer Apartment-Anlage
entpuppte sich einige Stunden später so mancher zum Weinkenner; Könner
im Einschenken war ohne Frage Hilmar, der mit einer Flasche in Balettpose
und in höchstens 6 Sekunden mindestens 6 Gläser füllte.
Dazu stimmte Lollo "Santa Lucia" und das Chanti-Lied an und alle sangen
fröhlich mit. Ulla, überglücklich und in hohen Tönen
jauchzend, wollte einmal sogar alle Gläser auf dem Tisch umarmen.
Solche Höhepunkte wurden von anderen ausgenutzt, um zu "verschwinden"
und Vorrat von gewissen Papiermengen zu holen (daran hatten wir nicht gedacht:
Wochenende und kein Toilettenpapier!). Natürlich hatten die Märker
wieder ihr altes (Bau-) Thema, und mit "Fäkalia festo in clumpo" o.ä.
Fachbeiträgen ging man, bereichert mit dem weichen "Doppelseitigen",
langsam in Richtung Koje.
Nur mit Mühe konnte auch Manne B.
dahin gelenkt werden, nachdem er zuvor versuchte, in die Keller-Disko abzudriften,
dabei Geländer mit Blumentopf-Agaven verwechselte und schließlich
mit seinem doppelten Begleitschutz die Treppe abwärts segelte. Also
Manne, weißte.......
Bald kehrte jedoch Ruhe ein, denn die
jeweiligen Zimmergenossen begaben sich auf ihre Apartments, um auf ihrer
Terrasse bei einem kühlen Getränk und zirpenden Grillen den Blick
über den nächtlichen Lago Maggiore schweifen zu lassen. Solange,
bis gegenüber der Vollmond über dem Pizzoni di Laveno stieg und
den hier etwa 3,5 km breiten See silberseitig glänzen ließ.
Sonntag / 1.Etappe
Die Tatsache, daß die Boote in dem
Schweizer BRISSAGO lagern mußten, machte eine Umdisposition lediglich
insofern erforderlich, als nun zuerst der nördliche (schweizer) Teil
des Sees befahren wurde. Der Landdienst brachte die Mannschaften ca. 3o
km zum Bootsliegeplatz bzw. holte sie abends wieder von dort zurück.
Bei Sonnenschein legten die Vierer am
Sonntag an der Promenade von BRISSAGO ab, der See wurde jedoch zunehmend
rauher, so daß bis ASCONA unter Land gerudert werden mußte.
Dunkle Wolken zogen von Nordosten über die Berge, es begann zu tröpfeln.
Doch dann brach - etwa zwischen ASCONA und VIRA - ein gewaltiger Regenguß
auf uns nieder, zeitweilig mit Donner und Blitz begleitet, und der Monte
Ceneri (einer der streng zu beachtenden Winde auf dem Lago Maggiore) trieb
die Wellen höher. Selbstverständlich waren Schwimmwesten an Bord,
wir brauchten sie aber zum Glück nicht. Mit kräftigen Schlägen
gelangten die Boote nach ca. 3 km an den vom Landdienst ausgemachten Landeplatz,
den Lido von Ascona, wo uns Franco vom nahegelegenen Ristorante Bella Pallanza
durch exzellente Bedienung über unser "Tief" hinweg half. Bald lachte
jedoch wieder die Sonne, die Rückfahrt nach BRISSAGO verlief dann
ausgeglichen (LOCARNO konnte wegen der vg. Ereignisse leider nicht angelaufen
werden). Vorbei an herrlichen Villen und Parkanlagen und den backbord liegenden
Brissago-Inseln erreichten wir bald den Liegeplatz, legten die Boote an
eine geschützte Stelle und verstauten das Kleinzeug im abschließbaren
Hängerkasten. Alle zusammen fuhren wir wieder über die Grenze
(jetzt kannten uns die Zöllner schon) ins Quartier.
Abends in VERBANIA, es fing wieder an
zu regnen, wollten wir im recht gediegenen "Albergo Ristorante Milano"
speisen. Es gab jedoch keinen Platz; wir hätten uns anmelden müssen.
Immerhin führte f¸hrte uns ein kellner mit großem aufgespannten
Regenschirm zu einem "ausweich"-Lokal. Eine nette Geste, die bezeichnend
ist für die Gastfreundschaft der Verbano-Region.
Der nächtliche Blick von unseren
Terrassen auf den Lago Maggiore glich dem auf eine riesige Opernbühne:
Dunkle Bergkulisse, peitschender Regen,
Donner und pausenlos fast waagerechte Blitze. Ein ergreifendes Schauspiel!
Montag / 2. Etappe
Was machen zwanzig Ruderinnen und Ruderer,
wenn es schon morgens in Strömen regnet (und sie nicht aus Termingründen
rudern müssen) ? Die Voraussetzungen waren da: Zimmer, Terrasse mit
Markise, Kissen und Stühle (je enger um so gemütlicher), Liederbücher,
Akkordeon und der Eß- und Trinkbestand der Apartment-Kühlschränke.
Ohne Regen hätte man uns bestimmt bis zum anderen Ufer gehört.
Bis 13.oo Uhr strapazierten wir unsere Kehlen, dann aber - wieder warm
und sonnig - konnte eine wunderschöne 5-Stunden-Fahrt beginnen.
Von BRISSAGO bis zur Grenze, die National-
und Vereinsflaggen am Heck, fuhren wir am oben auf einem Felsen winkenden
Grenzbeamten ohne Pa?kontrolle vorbei. Mit Hilfe des Tramontana-Windes
entfernten sich die Boote schnell nun etwas weiter vom Uferbereich, um
in ruhiger Fahrt den Hauptkurs einzuschlagen. Eine angenehme Ruhe breitete
sich aus. Und erstaunlich war, daß hier - zumindest während
unserer Anwesenheit im Juni - kaum Boote zu sehen waren; selbst in den
von Touristen dichter bevölkerten Regionen verliert sich der Bootsverkehr.
Lediglich das Linien-Tragflügelboot, kurzzeitig etwas ruhest^rend
aber offenbar rationell, eilt ab und zu über den See. Immerhin ist
ja der Lago Maggiore 65 km lang und bis zu 5 km breit, die Ufer sind felsig
oder steinig und von den Uferstraßen nur selten zu erreichen. Meist
besteht auch nur in den kleineren Häfen die Gelegenheit, ein Boot
ins Wasser zu setzen.
Vorbei an den mittelalterlichen Häusern
mit der Wallfahrtskirche der Pieta des Ortes CANNOBIO kamen wir dem Ostufer
näher. Mit 2 km hat der See hier eine recht geringe Breite. In der
Ferne ragten plötzlich Burgruinen aus dem Wasser, die Castelli de
Cannero, erbaut 12. bis 14. Jahrhundert. Zwei kleine Inselchen, von denen
wir eine natürlich sofort "in Besitz" nahmen. Nach dem vertilgen kleiner
Provianthappen und "Rebläuse" sowie einer Badedarbietung von Christel,
Manne H. und Lollo legten wir ab in Richtung CANNERO RIVIERA. Immer stärker
tritt jetzt üppige Vegetation mit Agaven, Palmen und herrlichen Blumenparks
hervor. Darin eingebettet liegen oft zauberhafte Villen, z. T. aus dem
18. Jahrhundert mit recht lebhaften Fresken, Stuckarbeiten und Malereien
versehen. Manchmal sind kunstvoll verzierte Bogengänge den Villen
vorgelagert, hier und da etwas versteckt von rankenden Blütenkelchen
oder breitblättrigen Palmenbüschen.
Bei GHIFFA, das wir nach ca. 1 1/2 Stunden
erreichten, befindet sich in der Mittte des Sees seine tiefste Stelle,
372 m (!). Gegen 19.30 Uhr - diesmal hat uns der Levante-Wind geholfen
- erreichten wir unser Stammquartier VERBANIA und lagerten auf dem zur
Apartmentanlage gehörenden Steinstrand die drei Vierer. An dieser
Stelle sei erwähnt, daß dank der vorzüglichen Idee unseres
Siegfried, während der ganzen Fahrt keine nennenswerten Schrammen
entstanden: jedes Boot hatte zwei styroporgefüllte Wurstsäcke,
die - unabhängig von der Bodenbeschaffenheit - überall als bequeme
Bootsauflage dienten. Eine tolle Sache und d i e Idee für Wanderfahrten!
Inzwischen sind auch Ulla, Hilmar und
Jürgen eingetroffen, die - vom Landdienst befreit (da nicht erforderlich)
- eine wunderschöne Landtour nach MACUGNAGA am Fluß des Monte
Rosa unternommen hatten.
Der Abend gestaltete sich romantisch und
fröhlich. Es begann eigentlich damit, daß die weißgedeckte
Tafel im überdachten Garten des (See) - Ristorante LOCANDA üppig
bestückt war, während wir uns unter dem Tisch infolge eines heftigen
Regengusses mit unseren Schuhen in einem rauschenden Bach befanden. Um
dem steigenden Wasserstand zu entgehen, wurde später innen, neben
dem alten Backofen, die gemütliche Runde fortgesetzt. Der gute Vino
Rosso fand immer mehr Liebhaber. Schließlich hat sich der Wirt dann
kurz vor 24 Uhr bereit erklärt, eines unserer kleinen Lieblingslieder
zu übersetzen, das sicherlich bald als neues oberitalienisches Volkslied
durch die Lande ziehen wird (die deutsche Fassung ist den dabeigewesenen
bekannt):
MAMMA VIENI GIU
MAX DEVI CACARE
HA FATTO GIA TRE
`PFT` SCOREGGIE .....
Dienstag / 3. Etappe
Die Regenwolken waren nie weit weg. Wir
hatten aber Glück und - überhaupt - ab jetzt immer mehr Sonne.
Trotz des anfangs mittelschweren Seeganges, hervorgerufen durch nunmehr
mindestens drei verschieden blasende Winde, wurde das recht anstrengende
Rudern kaum wahrgenommen. Dieser Tag war ein Höhepunkt im Erleben
von landschaftlichen Schönheiten und einem immensen Kunstreichtum
am Verbano. Hier nun den ruhig gewordenen borromäischen Golf des südlichen
Lago Maggiore zu befahren, um selbst beim größten Kilometer-Schrupper
andächtiges Staunen hervorrufen. Ja, die Fülle der aufzunehmenden
Bilder läßt zeitweilig vergessen, daß man überhaupt
rudert. An den Gärten der Villa Taranta mit ihren zwanzigtausend Sorten
und Arten von Pflanzen vorbei (die totale Pracht all dieser Schätze
kann man natürlich nur bei einem zusätzlichen Besuch erfassen)
glitten die Boote in die Nähe der Isola Madre mit dem Palazzo Borromäus
aus dem 18. Jahrhundert und üppigem exotischen Baumbewuchs, wie z.
B. Pampelmusen- und Bananenbäume, Eukalypten, Agaven, Bambus, Ananas
usw. Mit der abnehmenden Schlagzahl steigt die Pulsfrequenz, wenn nur noch
der Blick in Fahrtrichtung nach oben geht: die gewaltige Kulisse einiger
schnee- und eisbedeckter Hochalpengipfel, der über 4.600 m hohe königliche
Monte Rosa ist nur 50 km entfernt, steht eisern am Ende der Bucht, was
da auch heißen könnte: Schluß mit Dir, Du Lago Maggiore
- hier übernehmen wir, die Berge, das Revier!
Viel zu kurz war dann der Aufenthalt auf
der berühmten Isola Bella, wo im 17. Jahrhundert für die Familie
der Borromäus (die ab 1439 bis 1713 die Macht über den größten
Teil des Verbano ausübten) von vielen bedeutenden Künstlern ein
barocker Komplex aus Palast und Garten mit zehn übereinander liegenden
Terrassen geschaffen wurde. Diese Anlage, verbunden mit grandiosen Architekturen,
Malereien, Ausschmückungen usw., ist natürlich eine Touristenattraktion
ersten Ranges. Wir fanden aus der Ferne keinen geeigneten Anlegeplatz und
zogen es vor, am Festland vor STRESA eine Fähre zu chartern, um sicher
anlanden zu können.
Mitten im Touristengewühl vor dem
Palazzo tönte plötzlich eine laute Reiseleiterstimme, die sofort
die Köpfe wenden ließ:" Meine Herrschaften von der Reisegruppe
"Teuerkauf": Bitte fotografieren Sie - jetzt!" Unserer Lollo war's, der
sich dann, noch bevor einige überlegten, ob's echt oder aus Spaß
war, wieder schnurstracks unter's Volk mischte, um bei nächster Gelegenheit,
eine Kameradin ergreifend, zu einer Einmann-Cafe- Musik quer durchs Gartenlokal
tanzte und ehrwürdige Damenkränzchen erfreute.
Trotz des Touristenrummels - Isola Bella
ist eine herrliche Sache. Mit einer Fülle von Eindrücken traten
die Mannschaften die Rückfahrt an. Selbst ein Linienschiffahrts-Kapitän
wollte unsere Gedanken nicht stören: er stoppte und winkte die in
Kiellinie fahrenden Vierer freundlich vorbei!
Nun, nach rund 7 Kilometern waren wir
wieder am Strand unseres Hauptquartiers. Mit STRESA hatten wir unseren
südlichsten Punkt auf dem Lago Maggiore erreicht. Der Terminplan gestattete
hier leider keine weiteren Ausflüge, denn bis zum südwestlichen
Ende,
dort wo der Tessin bei SESTO wieder aus
dem See tritt, sind es immerhin noch 20 Kilometer!
Michael hat geschummelt!, und zwar an
unserem tollen Swimmingpool, wo wir uns nach dem Rudern entspannen konnten.
Bei diesem "Schwimmkampf" ging es nämlich um eine Flasche Vino, die
er zahlen mußte, weil er den Start verpaßte und von der Seite
reinsprang!
Als Fahrtenleiter muß man aber auch
überall auf der Hut sein.....
Im Ristorante Locanda mundeten später
die seegefischten Felchen sowie der Vino. Trotz des 0:2 im Fußballspiel
Italien / Frankreich gab der Wirt eine Lage aus. Wahrscheinlich deshalb,
weil Klaus und Lollo uneingeschränkt für Italien jubelten!
Mittwoch / 4.Etappe
So ein Landdienst hat es ganz gut - vorausgesetzt,
die Tagesetappe verläuft reibungslos. Hinzu kam auf dieser Wanderfahrt,
daß, wie erwähnt, das Gepäck nicht tagtäglich von
einem Quartier zum nächsten transportiert werden mußte.
An diesem Tag fuhren Siegfried und Hartmut
S. je einen VW-Bus. Die zu rudernde Strecke sollte am Ostufer entlang über
LUINO wieder nach BRISSAGO gehen, um rechtzeitig die Boote zum Aufriggern
wieder in der Schweiz zu wissen (vor allem kann das Wetter am Lago Maggiore
derart umschlagen, daß das Rudern zu riskant ist).
Bei zwanzig Köpfen und drei Vierern
mußten natürlich fünf Köpfe zum Landdienst eingeteilt
werden, aber den Transportspezialisten Heidi und Conni sowie dem Fahrtenleiter
gönnten wir gerne den wohlverdienten "Ausgang". Sie haben sich u.
a. mit der Sesselbahn auf den Poggio S. Elsa fahren lassen und den zauberhaften
Blick über den See zum Alpengebiet genossen.
Während die Boote, von VERBANIA schon
abschiednehmend, mit leichtem Gegenwind bei PORTO an die Ostküste
kamen, ging der Landdienst in CANNERO (die Busse wurden geparkt) an Bord
eines Tragflächenbootes, um gegenüber in LUIONO schon einen geeigneten
Anlegeplatz für die Mittagsrast der Mannschaft zu suchen. Dieser wurde
am Yachthafen gefunden und unmittelbar dahinter war auch der eigentliche
Grund dafür, daß diese Rast hier in LUINO stattfinden sollte:
der weitbekannte große Mittwoch-Markt. War das ein buntes Treiben
an diesem herrlichen Sonnentag! Zeitweilig wurde man von der Menge geschoben,
vorbei an den unzähligen Ständen, wo Händler aus allen Teilen
des Gebietes kommen, sogar aus der Schweiz.
In 2 Kilometer Entfernung sichtete der Landdienst die Boote; die spätere Einweisung an der Liegestelle war nur noch Routinesache. Die Bootsmannschaften konnten sich hier entspannen und den Markttrubel genießen, während der Landdienst mit dem 13.30 Uhr-Tragflügelboot die Rückfahrt antrat. Um die lärmenden Turbinen hautnah erleben zu können, wurde diesmal das tieferliegende Achterdeck besucht. Recht rasant - Hartmut ist die steile Treppe regelrecht heruntergerutscht. Das scheint hier allerdings nicht unüblich zu sein, denn ein paar andere Passagiere "segelten" danach ebenfalls nach unten!
Später in BRISSAGO wurden die Boote an eine Promenadenmauer geschützt abgelegt. Der Landdienst fuhr die Mannschaften gegen 17.00 Uhr zurück zum Quartier nach VERBANIA.
An diesem Abend hatten wir ein Abendessen in dem bereits zuvor erwähnten Albergo Milano in VERBANIA - PAVILLON direkt am Wasser. Es war vorzüglich anzusehen, von einem halben Dutzend "Befrackten" bedient zu werden. Dafür durften wir auch fast jede grüne Bohne extra bezahlen. Trotzdem, es hat ausgezeichnet gemundet, und zum Schluß hat uns die Chefin noch einige Flaschen Vino Bianco geschenkt (natürlich auch deshalb, weil sie und das ganze Personal von dem "Stempel-Zeremoniell" unseres Klaus so beeindruckt war!
Nach einem überwältigenden Blick auf rotglühende 4000 m hohe Gletschergipfel - die Hauptstraße des Ortes schien dort fast hineinzuführen - strebten wir unseren Quartieren zu, um bei lauer Luft den natürlichen Blick auf den Lago Maggiore zu genießen.
Donnerstag / 5.Etappe
Heute gab es mit Hartmut S. ein Geburtstagskind und schon zum Frühstück wurde daran sehr liebevoll gedacht. Doch zunächst mußte die letzte Etappe eingeleitet werden, wozu auch die Bootsverladung gehörte.
Die Fahrt ging nochmals von BRISSAGO nach ASCONA, diesmal zwischen den beiden Brissago - Inselchen hindurch, von denen die größere einen neuklassischen Palast besitzt, der mit einem Garten umgeben ist, wo wiederum allerlei exotische Pflanzen zu finden sind.
Das Wetter war herrlich, als wir bei Franco im Ristorante Ascona einkehrten. Bei Piatto ticinese (Tessiner Teller), Risotte a la milanaise oder Scaloppina (Kalbsschnitzel) wurde auf der Terrasse geplaudert. Der Fahrtenleiter zog sich jedoch zunächst zu wichtigen Besprechungen an einen Nebentisch zurück, während die "Meute" im Eifer des Gefechtes fast sein inzwischen eingetroffenes Schnitzel verzehrte. Eine feine Bande - anstatt dankbar zu sein und ihm einen Vino zu spendieren, fallen sie alle über sein Mittagessen her!
Wenn alle zügig mit anpacken, ist es immer schnell geschafft: Gut eine Stunde nach der Ankunft in BRISSAGO waren die Boote schon auf dem Hänger, so daß man noch in dem benachbarten Bocciodromo den Boccia -Spielern zusehen oder in der Vereinsstube einen Campari genießen konnte.
In einem unserer Frühstücksapartments vollzog sich später - nach einem geruhsamen Pausieren am Swimmingpool - die Geburtstagsfeier von Hartmut S., die in Form einer italienischen Weinprobe (alles Weine aus der Gegend Tessin und Piemont) mit schmackhaften Beilagen abgehalten wurde. Über die unerwarteten Geschenke - ein Universal-Wanderkompass und ein Bildband vom Lago Maggiore - hat er sich außerordentlich gefreut und richtet an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten.
Nun, in einer Apartmentanlage muß man auch mit Nachbarn rechnen, die früher schlafen gehen möchten als die Ruderer. Also, gegen 24.00 Uhr mußten wir mit dem Singen aufhören, es war ja auch genug. Möglicherweise feierten die jeweiligen Zimmermannschaften auf ihren Terrassen noch weiter ......
Warum Hilmar so spät nach Hause kam, ist nicht mehr bekannt. Jedenfalls wurde er ausgesperrt, hat jedoch im Nachbarapartment "Aufnahme" bekommen und sein Lager auf dem Fußboden aufgeschlagen. Was soll`s, er hat ja die Fähigkeit entwickelt, bei Müdigkeit überall zu schlafen, egal ob der Untergrund hart oder die Gesellschaft laut ist. Ein Glückspilz!
Freitag
Am letzten Tag konnte jeder machen, was er wollte. Bei dem riesigen Angebot an großartiger Kunst und überwältigenden landschaftlichen Schönheiten in dieser Region sind die paar Stunden selbstverständlich viel zu wenig.....Nur ein Bruchteil konnte bestaunt werden. Dennoch kamen die verschiedenen Interessengruppen auf ihre Kosten. Es wurde eingehend die Villa Taranta mit dem tropischen Gärten besichtigt, oder man bummelte durch die malerischen Gassen geschichtsträchtiger Orte, verbunden mit einer Motorbootfahrt auf dem Verbano. Eine größere Gruppe wagte sogar, unter der Leitung unseres bewährten Bergführers Jürgen, eine Bergwanderung zum Monte Zeda (2.156 m), die jedoch leider bei 1.900 m aus Zeit - und Sichtgründen abgebrochen werden mußte. Der Charakter der subtropischen Berghänge, die Berghütten und Schafe, Hitze am Anfang sowie Kälte während der Brotzeit unter dem wolkenverhangenen Gipfel, das alles war schon ein tolles Erlebnis. Jeder hat tapfer durchgehalten, selbst unsere (für`s Wetter verantwortliche!) Christel, die nämlich dachte, sie schafft das nicht!
Immerhin konnten wir uns noch zwei Stunden an bzw. in "unserem" idyllisch gelegenen Swimmingpool oder im Apartment ausruhen, bevor im Garten des Ristorante Locanda die abendliche Abschiedstafelbegann. Mit Hartmuts Accordeon -Begleitung und Tenorunterstützung unseres Lollo erklangen in dieser südlichen Nacht nochmals Sant Lucia, Lieder vom Lago Maggiore, Chiantiwein usw.
Daß die Gäste des gutbesuchten Lokals unterhalten wurden, war unausweichlich. Zusätzlich Unterstützung gab es jedoch noch durch geburtstagsfeiernde Kinder am Nebentisch (die Muttis saßen extra). Vor sprudelnder Begeisterung sangen sie uns ihre Lieder vor, die lediglich durch Coca-Lagen und Applaus unterbrochenwurden.
Nun, es war jedenfalls so schön, daß dann um Mitternacht einige von uns gar nicht heimwärts wollten. Unter Umständen konnte man infolge der urwüchsigen, handgemachten Abrechnungsoperationen des Chefs noch einige Zeit herausschinden. Aber der letzte mußte sich schließlich der "Differenza-Methode" ergeben. Mit den großen Lir-Stapeln auf dem "Kassentisch" sah es dann auch so aus, als w¸rden die Tageseinnahmen eines Supermarktes gezählt werden......
Sonnabend
Planmäßig reisten wir am frühen Morgen wieder ab. Wehmütig gingen die Blicke nochmals über den Verbano, der unterhalb der Uferstraße im Licht der Morgensonne funkelte. Und noch einmal liefen die Gedanken zu den ereignisreichen Ruderfahrten, den freundlichen Menschen, den wundervollen Gärten und Parks, den Palästen und Kirchen mit unzähligen Kunstwerken, den Smaragden gleichenden Inseln im dunkelgrün bis himmelblau schimmernden Wasser, den idyllischen Dörfern, den buschigen Berghängen oder den atemberaubenden Ausblicken auf die mit Schnee und Eis bedeckten abendsonnenüberfluteten Gipfeln.
Mit einem letzten wehmutvollen Blick mußten wir in LOCARNO von unserem "LAGO" Abschied nehmen. Die Rückfahrt verlief planmäßig, zunächst bis zum Mittagsstop in Neuenkirch / Schweiz, wo wiederum in einem Mövenpick - Autobahnrestaurant geschlemmert wurde. Unsere Hängermannschaft mußte allerdings eine Stunde später essen, da sie die Ausfahrt verpaßte. Man kann sich vorstellen, welche Kurvenmannöver (bis zur nächsten Ausfahrt und zurück) mit dem 17 - Meter - Gespann nun durchgeführt werden mußten.
Nun, später in der Kellerbar von Dorit und Toni Kästner in Rastatt, wo uns auch Peter Möller wieder begrüßte, war alles vergessen und spätestens beim köstlichen Erdbeerkuchen sowie bei Erdbeerbowle auf der Terrasse waren auch die letzten "schnell mal schlafen gehen vor dem Abend im Bootshaus" - Gedanken verflogen.
Abends beim gemütlichen Beisammensein auf der Bootshausterrasse verging die Zeit sehr schnell und bald bewirkte der rheinische Vollmond, daß sich die letzten Zecher zu ihren Lumas bewegten. Einen vortrefflichen kameradschaftlichen Ausklang haben uns die Rastatter Kameraden beschwert, nun war auch der Kontrast zwischen dem Lago Maggiore und unserer Heimatstadt nicht mehr ganz so groß. Verständlicherweise waren wir recht müde, als am Sonntag gegen 18.00 Uhr der Funkturm erreicht war, wo sich die Kameraden voneinander verabschiedeten.
Eine erlebnisreiche und faszinierende Wanderfahrt war zu Ende. Dank nochmals an Manfred Becker und den Obleuten Heidi Kleine, Manfred Hoffmann, Hartmut Lindner, Michael Schneider sowie den Transport - und Materialspezialisten Conni Becker und Siegfried Schiewe. Mit solch einem gestandenen Team sind wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um eine derartige Wanderruderfahrt durchführen zu können. Dank auch an alle übrigen Kameraden, die vom Auf - bis zum Abriggern dazu beitrugen, daß diese Fahrt unvergessen bleibt.
Vielleicht wird sich eines Tages wieder eine Gruppe zusammenfinden, Landkarten hervorkramen und Pläne schmieden, um schließlich beim Kerzenschein ein Lied zu singen, daß der Auftakt zu einem neuen Erlebnis wird:
L A G O - L I E D (Melodie: "Laßt uns träumen am Lago Maggiore")
- Laßt uns fahren zum Lago Maggiore,
Abschied nehmen am Bootshallentore. Wir von TiB, Brandenburgia, Arkona und Dresdenia, den Märkern, Saffonia. Bald am Rhein, treffen ein: "Seid gegrüßt!" Bootshaus Rastatt - kehrt ein und genießet. Ja, ab morgen - Sonnenschein, weiße Gipfel, Flur und Hain - lädt der Lago Maggiore uns ein!
- In die Wogen setzt ein vor Brissag
uns`re Boote. Hinaus auf den Lago! Isolina und Isola Grande - Heute Kurs ist Ascona, am Strande. Dunkle Wolken herein vom Ticino, schütten aus Blitze, Fluten - statt Vino. Doch dann abends - schaut herein, nehmet auf das Bild beim Wein - lädt der Lago Maggiore uns ein!
- "Ruder halt" an den Burgen Cannero,
in der Ferne der Markt von Luino. "Halbe Fahrt", seht die Villa Taranto, bald der Golf: Mit dem Wind zum Palazzo! Blumen, Palmen auf Isola Madre. Oben Gletscher - "Blatt ab", Blick zum Berge. In den Gärten wir verweil `n. Wenn die Fischer kehren heim, lädt der Lago Maggiore uns ein!
P.S. Dieser tolle Bericht ist unserem Harte Selke, Fahrtteilnehmer und Geburtstagskind während dieser Zeit, aus der Feder geflossen.
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