|
MR-Home > Vereinsleben >
Berichte > Schweiz 1985
MR-Wanderfahrt auf dem Vierwaldstätter See, Zuger See und Thuner See (Schweiz) - 14.-23.6.1985
Am 14. Juni fuhren 20 Ruderer mit zwei Bussen
in die Schweiz. Die Fahrt war gemütlich und ließ absolut keinen
Verpflegungsmangel aufkommen. Gegen 22.00 Uhr erreichten wir Rastatt, wo
man uns freudig empfing. Die erste Nacht auf den Lumas verlief etwas unruhig.
Mit ca. 40 Personen lagen wir im Bootshaus; draußen goß es
in Strömen. Einige Schlaftrunkene versuchten ihren inneren Strom loszuwerden
und fanden dabei nicht immer die richtigen Örtlichkeiten, so daß
mehrmals die Bootshallentür aufgerissen wurde. Am nächsten Morgen
gab es zum Munterwerden erst einmal ein schönes Frühstück.
Dann ging es zu Peter Möller vom R.C. Rastatt zu einem kurzen Umtrunk.
Am Nachmittag erreichten wir das Ruderzentrum am Rotsee. Es war sehr idyllisch
gelegen, und wir fanden in Vier-Bett-Zimmern Unterkunft. Nachmittags konnte
jeder machen, wozu er Lust hatte. Zum Abend fuhren wir gemeinsam ins Restaurant
"Kreuz", einem sehr geschmackvoll eingerichtetem Gasthaus, im dem jedoch
unsere Geduld durch extrem langes Warten auf die Probe gestellt wurde.
Was dann kam, sah auch nicht üppig aus, reichte jedoch letztendlich
aus, um jeden satt zu bekommen.
Am nächsten Tag ruderten wir in schönen
Booten bei wunderbar sonnigem Wetter nach Flüelen. Nachmittags bezog
es sich ein wenig und der Wind machte den Booten etwas "Wellen unter den
Hintern". Die Nacht im Bootshaus wurde kühl, es regnete ununterbrochen
und gewittere zeitweise kräftig.
Am anderen Morgen regnete es immer noch.
Bei Nachlassen ging es sofort in die Boote. Während der Landdienst
im Regen stand, erfreuten sich die Ruderer einer ständigen Wetterbesserung.
Bei Sonnenschein ließen wir uns mittags vom Landdienst verwöhnen
durch einen herrlich improvisierten Mittagsimbiß. Weiter ging es
nach Küßnacht, wo wir die Boote in einem Schwimmbad deponierten.
Am Abend schlagnahmten wir den Grillplatz
im Wald oberhalb des Ruderzentrums und verlebten einen äußerst
gemütlichen und sehr stimmungsvollen Abend. Es wurde kräftig
gesungen und der "Wolfgang-Sekt" floß in Strömen; wirklich eine
gute Sorte.
Der nächste Tag verlief recht ruhig,
mit gemütlichem Rudern, Mittagessen, und den Abend konnte jeder frei
gestalten .
Am Mittwoch stand wieder ein Höhepunkt
bevor. Ein Großteil der Ruderer rüstete sich zur Besteigung
des 2132 m hohen Pilatus. Es war ein wunderschöner Aufstieg bei sonnigem
Wetter, und von oben hatte man eine tolle Sicht weit über das Land.
Nach einer guten Stärkung wanderte ein kleiner Teil bergab, die anderen
entschlossen sich zu der wohl einmaligen Fahrt mit der steilsten Zahnradbahn
der Welt. Auch hier gab es unvergeßliche Eindrücke. Am Nachmittag
fing es zu regnen an, gerade richtig, da wir nun ein Stück fahren
mußten bis zum Seeclub Zug. Das Bootshaus war recht klein und bot
gerade genug Platz, insbesondere für eine Luma-Fete am Abend.
Am anderen Morgen war das Wetter genauso
unentschlossen wie wir. Es war ziemlich grau, und an Booten stand uns u.a.
ein Rennachter (ach wie schön!) zur Verfügung. Mutig wie wir
waren, ruderten wir natürlich los. Was Wind und Wetter bedeuten kann,
erfuhren wir dann mitten auf dem See. Ein Vorankommen war so gut wie gar
nicht möglich. Die Wellen waren 50 cm hoch und schwappten munter ins
Boot. Wir stocherten mehr oder weniger in Luft und Wasser herum, total
unkoordiniert und völlig zwecklos. Dazu goß es noch recht erheblich.
Was für ein Glück, daß das Chaos nach 15 Minuten beendet
war. Am schlimmsten hatte es den Achter erwischt. Heidi von Saffonia, die
am Steuer saß, war total durchgefroren und konnte nur durch mehrere
Schnäpse wieder aufgetaut werden. Auch saß einigen die Angst
noch im Nacken, denn die Situation war nicht ganz ungefährlich. Nach
einem guten Mittagessen ging es weiter zum Thuner-See, eine Fahrt durch
eine sehr reizvolle Landschaft zu diesem bildschön gelegenen See.
Auch das Bootshaus lag idyllisch und war
sehr hübsch gebaut. Für zwanzig Leute war es ein wenig klein.
Es gab nur eine Toilette (waren das wunderbare Gerüche).
Am Abend speisten wir dann fürstlich
im Schloß-Hotel am See und konnten den Sonnenuntergang genießen
sowie die Schweizer Rudergastgeber, die sehr redefreudig waren.
Am nächsten Morgen hatten wir das
reinste Bilderbuchwetter. Freudestrahlend ging es in die Boote, am Wehr
vorbei, raus auf den offenen See. Hier blies ein kräftiger Wind, und
die Wellen schwappten zeitweise ins Boot. Noch vom Vortag etwas eingeschüchtert,
machte sich das "Zuger Syndrom" breit und wir beratschlagten, ob wir die
Fahrt lieber abbrechen sollten, um einem möglichen Sturm aus dem Weg
zu gehen. Während wir unentschlossen in den Himmel blickten, legte
sich der Wind und das Wasser war auf einmal völlig glatt. So erlebten
wir den schönsten Tag der ganzen Fahrt mit einmalig sonnigem Wetter
und fantastischer Bergkulisse, dazu einem vorzüglichen Mittagessen
im Restaurant "Hirschen" in Gunten. Am Abend nahmen wir dann Abschied im
Bootshaus von der Schweiz.
Die Fahrt am nächsten Vormittag führte
uns zurück nach Rastatt. Das Mittagessen war in Mühlhausen im
Elsaß angesetzt, und so mußten wir uns kräftig anstrengen,
den Achter den Rhein hochzurudern. Als die meisten das Essen hatten, fing
es mal wieder an zu regnen, und wer sein Essen nicht verdünnen wollte,
ging schnell hinein. Das Restaurant war innen mit mehreren Nischen bestückt,
und Heidi, die den Fußangeln der spanischen Wand oblag, ließ
ihr Essen - wahrhaft in Zeitlupe - vom Teller auf den Boden gleiten. Wie
fassungslos die Arme aussah, und wir haben uns nicht eingekriegt vor Lachen.
Am Abend veranstalteten die Rastätter
ein lebhaftes Grillfest. Und nach einigen Stunden waren manche sicher nicht
mehr unbedingt rudertauglich. Ach Heidi, wir wollen Dich noch einmal Würstchen
essen sehen, es sah so gekonnt aus, wie Dir jede Bewegung zuviel war. Ein
Glück, daß Du zum Schluß gefüttert wurdest. Zur Freude
aller hielt Lothar Frenkel eine Willi-Brandt-Rede. Das war wirklich lustig.
Sonntag traten wir dann die Rückfahrt
an. Der eine Bus glich einer wilden Disco-Fete, der andere eher einem Schlafzimmer.
Ich glaube, so konnte jeder seiner Neigung oder seinem Bedürfnis nachgeben.
Es war eine sehr schöne Fahrt, und
wir danken Manfred Becker für die gelungene Fahrtenleitung.
|