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Festschrift des Märkischen Rudervereins e.V. zum 25jährigen Bestehen (im Jahre 1926)
Fünfundzwanzig Jahre - Märkischer Ruderverein
31. Oktober 1901
30. Oktober 1926
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Stets warts du eisenhart und -stark,
Fest saß die Faust an Schwert und
Hammer
Heut wissen wir, du sand'ge Mark
Bist auch der Schönheit Silberkammer.
Denn wenn im Schmuck des Heimatlands
Die allzu grellen Reize fehlen,
Wen schmückt wie dich solch voller
Kranz
Von Flußsaphir und Seejuwelen ?
Wo wölbt sich höherer Waldpalast,
Wem ist mehr Frühlingsanmut eigen,
Wo hält das Märchen lieber Rast
Als unter deinen Erlenzweigen ?
In unsres Werktags Einerlei
Klang deiner Wellen Sang und Branden -
Die Menge ging daran vorbei,
Bis wir den weg zum Glücke fanden.
Den Hort, der tief verborgen ruht,
Wir hoben ihn im leichten Kahne;
Den Lockungen der blauen Flut
Folgt überall die Adlerfahne.
Und dies der Stolz des Märkerbunds:
Die Schätze, die im Wasser brennen,
Den Reichtum lernten erst durch uns
Tausende suchen und erkennen.
Wir führten sie vom brausenden
Stadtlärm zu stillen Paradiesen,
Unser Verein hat Tausenden
Den Weg ins Sonntagsglück gewiesen.
So wirkten wir mit Wort und Tat
Zum Heil des Ganzen unverdrossen,
Und immer üppger ist die Saat,
Die wir gestreut, emporgeschossen.
Die Stille schwand, der Jahre Flucht
Sah andre, buntre Bilder prägen:
In jeder abgelegnen Bucht
Klingts heut von Ruf und Ruderschlägen.
Dem großen Pan wirds manchmal schwül.
Es ist ein unaufhörlich Gleiten
Von Booten, ruhloses Gewühl
Durchstreift die grünen Einsamkeiten.
Zelt neben Zelt dann, Licht und Rauch,
Vergnügter Lärm aus Finsternissen,
Stadtlärm . . . doch selge Menschen
auch,
Die Gott ins Herz zu schauen wissen.
Viel haben fünfundzwanzig Jahr
Gewandelt - doch auf weitem Plane
Weht sichtbarlich und unsichtbar
Allüberall die Adlerfahne.
So wirke fort, was war und ist !
Die Flagge, stolz und ruhmbeschienen,
Sie wurde nicht für uns gehißt.
Der Allgemeinheit soll sie dienen.
Das Ziel erkannt, die Kraft gespannt !
Wir wollen mit des Friedens Waffen
Ein starkes Volk und Vaterland,
Das jedem Sturme standhält, schaffen.
Und blüht ihm einst erneutes heil,
Dann mögen unsre Enkel sagen:
Zum Sieg hat ihr bescheiden Teil
Die Adlerfahne beigetragen !

25 Jahre Märkischer Ruderverein
An einem sonnigen Apriltage des Jahres 1901
war es, als der gedeckte Doppelzweier "Deutscher Michel" über den
Krossin-See glitt. In weiter Ferne kreuzten zwei Segelboote, sonst war
auf der blauen Fläche nichts Lebendes zu erblicken. Die Ruderer im
Boot unterhielten sich einigermaßen betrübt über diese
Erscheinung, denn sie waren Menschenfreunde und hätten gern Tausenden
dieselbe Freude gegönnt, die ihnen Sonntag für Sonntag beschert
wurde. Sie erinnerten sich daran, welch Bewegtheit immer ihr Herz erfüllte,
wenn sie hinterwärts von Rahnsdorf oder Zeuthen ein anderes Ruderboot
erspähten; wie einsam ihnen oft die Zeltnächte an den verlassenen
Ufern der Müggel, der Großen Krampe oder gar der Havel erschienen.
Wie ganz anders nützt der Amerikaner seine freie Zeit im Camping
out, meinte einer, und Berlin will doch so gern amerikanisch sein!
Aus die dem Gespräche tauchte ganz
von selber der Gedanke auf, der den Märkischen Ruderverein, richtiger
gesagt die Berliner Wanderruderei, ins Leben rief. Gewiß, sie war
schon 1901 da, zählte eine Reihe von Jüngern, doch diese Zählung
erforderte damals nicht viel Zeit.
Um den Plan, die Berliner Jugend für
die Ruderei zu gewinnen, durchführen zu können, bedurfte es angespannter
Agitation. Damals stand noch der Radsport in stolzester Blüte; statt
aufs Wasser zu gehen, tummelte sich Jung-Berlin auf den Landstraßen.
Durch Vorträge wäre man an die Masse nicht herangekommen; es
blieb nur die Zeitung übrig. Richard Nordhausens engere Verbindung
mit dem Verlag Scherl, auf dem Umwege über den roten "Tag", ermöglichte
es dann, daß etwa zehn Aufsätze im "Berliner Lokal-Anzeiger"
erschienen, Aufsätze, die die Wanderruderei als den gegebenen Sport
für Groß-Berlin hinstellten, seine gesundheitlichen und seelischen
Vorzüge ins rechte Licht rückten und das Wasserparadies um unsere
Stadt herum schilderten. Die anspruchslosen Arbeiten gefielen, es mehrten
sich von Woche zu Woche die Anfragen Interessierter, und als Anfang Oktober
ein Aufruf zur Teilnahme am Wanderrudern erging, da wurden wir mit Zuschriften
waschkörbeweis überschüttet.
Solchem Andrange war unsere allzu kleine
Schar nicht gewachsen. Ganz zweifellos wäre die Zahl der Meldungen
verdrei- und vervierfacht worden, hätten sich statt 2000 an die 5000
junge Männer gemeldet, wenn wir nicht gebremst hätten. Bittere
Notwendigkeit zwang dazu. Vermochten wir handvoll Leute doch aus Mangel
an Hilfskräften nicht einmal eine regelrechte Verteilung der Ruderlustigen
auf mehrere Versammlungen vorzunehmen, sondern mußten uns damit begnügen,
zwei Zusammenkünfte einzuberufen, eine, die sich aus den älteren
Interessenten in gehobener sozialer Stellung zusammensetzte, und eine andere,
zu der, nach starker Siebung, das Gros eingeladen wurde. Der Erfolg war
gut, es schrieben sich über 500 Herren in die ausliegenden Listen
ein. Abermals ward geprüft und gesichtet, schließlich blieben
rund 300 Auserwählte übrig. Als Gründungstag des M. R. hat
der 31. Oktober 1901, der Tag der großen Versammlung im mittlerweile
verschwundenen Leipziger Garten, zu gelten.
Seine amtliche Gründung erfolgte einige
Wochen später im damals bestehenden Vereinshause in der Wilhelmstraße.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Richard Nordhausen gewählt, der es bis
zum heutigen Tage geblieben ist. Ziemlich unverändert haben wir auch
die am selben Abend einstimmig angenommene Verfassung behalten. Unsere
Organisation, das erwies sich gerade in späteren Stürmen, war
gut und zweckmäßig.
Neues Bootshaus am Plänterwald
Ueber die für einen Ruderverein nötigen
Mannschaften verfügten wir nunmehr; sonst aber fehlte es an allem.
Es mußten Boote und ein Bootshaus beschafft werden, daneben drängte
sich die ungeheuer schwierige Frage auf, wie die Massen von Neulingen ruderisch
herangebildet werden sollten. Denn mindestens 97 v. H. der Herbeigeströmten
hatten noch nie einen Riemen in der Hand gehabt. Aber mit gutem Mut und
entschlossen gingen wir ans Werk, obgleich die gesamte Berliner Ruderwelt,
und man muß schon sagen, nicht ungerechtfertigterweise, die Ausführung
des Plans für schlichtweg unmöglich hielt. Da nur 3 Mark Monatsbeitrag
erhoben und sonst kaum ein geldlicher Anspruch an die Mitglieder gestellt
wurde, gelang es trotz aller Sparsamkeit nicht, rasch einen besonders großen
Schatz anzusammeln. So sprang der Vorsitzende ein, baute in der Hauptsache
mit seinem Gelde das Stalauer Bootshaus und schoß ebenso die für
den Bau von rund 50 Booten erforderliche Sume vor. Etlichen Mammon trug
ein im März 1902 unternommenes Ballfest "Pfingstabend in Teupitz"
ein, das bei Kroll vor sich ging, mehr als 2000 Besucher aufwies und einen
Ueberschuß von 3300 M. ergab. Die Maschine lief also gut.
Eine jetzt auch längst verschwundene
Badeanstalt in der Lützwstraße mit trübselig schwarz blinkendem
Gewässer diente uns winterlang für unser Kastenrudern. Es wurde
fleißig geübt, jeder gab sein Bestes, aber der Mangel an Instruktoren
machte sich doch empfindlich bemerkbar. Und als der Frühling herangekommen,
das Bootshaus fertiggestellt war und nach eifrigem Tummeln auf dem Rummelsburger
See die erste Ausfahrt ins Freie erfolgte, da hatten wir kaum Grund, auf
technisch vollendete Ruderleistungen stolz zu sein. Der Himmel zeigte an
jenem Tage ein einsehen; es goß vom Morgen bis zum Abend, und so
ging die große Aktion ziemlich unbemerkt vor sich. Wir haben dann
mit aller Kraft an uns gearbeitet und sind im Laufe eines Jahres dahin
gelangt, daß wir den Wettbewerb mit den Booten der anderen Vereine
getrost wagen durften.
Altes Bootshaus Stralau, von der Straße
aus
So viele Ruderer wie möglich aufs
Wasser zu bringen, war das Gründungsprogramm des Märkischen Rudervereins.
Es ging ihm nicht sowohl darum, "alles für die Firma" zu tun und nur
die eigenen Reihen zu stärken, obgleich naturnotwendigerweise die
Geworbenen in der Regel ihm zuströmten; er bemühte sich vielmehr,
die Berliner Wanderruderei in weiten Kreisen volkstümlich zu machen.
Daß diese Tendenz nicht durchweg Anerkennung fand, läßt
sich verstehen; ruhlose Agitation, wie wir sie damals betrieben, paßte
manchem Geruhsamen nicht in den Kram. So kam es zu Meinungsverschiedenheiten,
eine Reihe von Kameraden glaubte in kleiner Gemeinschaft besser zu fahren,
höhere Gemütlichkeit zu finden, und gründete Ende 1903 die
"Markomannia". Der Schlag hätte tödlich werden können, wurde
aber schon pariert, als er niedersauste. Von neuem begann Richard Nordhausen
seine Werbearbeit, hielt im folgenden Winter und Frühling unzählige
Versammlungen ab, machte unermüdlich durch die Presse auf die neue
Ruderbewegung aufmerksam und erzielte dadurch, daß am nächsten
Anrudern , Palmsonntag 1904, rund zehn Märkerboote mehr teilnahmen
als im Jahr zuvor. Bis zum Herbst schwoll die Mitgliederzahl immer gewaltiger
an. In Stralau spielte sich, zumal Freitags und Sonntags, ein Betrieb ab,
wie ihn noch kein Berliner Ruderverein gesehen hatte. Der Bootsplatz war
morgens und abends gerammelt voll, so daß sich die Ruderer mühsam
zwischen den Booten hindurchwinden mußten. Wer zu den Freitagssitzungen
später als 8 Uhr abends erschien, fand keinen Stuhl mehr, sondern
mußte irgendwo an den Wänden stehen und, wenn auch diese Plätze
ausverkauft waren, in den Gängen Aufstellung nehmen. Rasch stieg die
zurückgelegte Boots-Kilometerzahl. Im Jahre 1902 betrug sie 48 641
km, 1903 66 138 km, um 1904 auf 68 348 km, 1905 auf 100 599 km anzusteigen.
Dasselbe Jahr brachte Richard Mickleys wanderruderische Höchstleistung
von 6037 km. Den Bootspark hatten wir inzwischen dauernd vergrößert,
besonders durch den Bau von Doppelvierern, die es damals auf der Spree
noch nicht gab und die zuerst mit dem üblichen spöttischen Hallo
aufgenommen wurden. Heute verfügt jeder Wanderruderverein über
eine stattliche Zahl von Booten diese Typs.
Das von Anfang an reiche Bootsmaterial
des Märkischen Rudervereins stieg im Laufe der Jahre auf stolze Höhe.
Dem Verein gehören heute
2 Doppelachter,
2 Riemenachter,
15 Doppelvierer,
27 Riemenvierer,
14 Doppelzweier,
6 gedeckte Zweier,
5 Uebungsboote,
1 Stammboot "Deutscher Michel"
Zusammen 72 Vereinsboote.
Gedenksteinlegung zum neuen Bootshaus
am Plänterwald, am 12. Juli 1914
In währender, gewissenhafter Arbeit
vergingen die Jahre. Sie brachten Absplitterungen, besonders seitens solcher
Kameraden, die sich dem Rennsport widmen wollten, für ihre Wünsche
bei uns aber wenig Widerhall fanden. Wohl kein Verein Groß-Berlins,
der nicht aus dem Gewimmel unserer Mitglieder reichlichen Zuschuß
gewonnen hat. Doch gerade dadurch setzte sich die märkische Wanderruderidee
allenthalben durch, der Wanderruderer fühlte sich von nun an dem Rennruderer
gleichberechtigt. Wanderruderei und Rennruderei gehören ja auch in
Wahrheit zusammen, sind Blüten eines Stammes, fördern und befruchten
sich gegenseitig. Wir wollen der Versuchung widerstehen, eine ausführliche
Liste aller Vereine zu geben, die von Mitgliedern der Märkischen Rudervereins
ins Leben gerufen sind, wollen auch nicht ziffernmäßig dartun,
wie ungemein stattlich die Zahl der Kolonisten gewesen ist, die von uns
in andere Vereine gezogen uns sie teilweise zu stolzer Entfaltung gebracht
haben. Genug, auch in dieser Beziehung haben wir, ohne daß uns gerade
die Absicht dazu leitete, durchaus unsere programmatische Pflicht getan.
Zweigbootshaus Pichelswerder
Von vornherein lag es im Plan, neben der
Spree die Havel und die Gewässer hinter Königswusterhausen für
unseren Verein zu erschließen. Bereits 1903 wurde mit dem Gastwirt
Freund auf Pichelswerder ein Abkommen dahin getroffen, daß er Grund
und Boden für die Errichtung einer Bootsunterkunftshütte zur
Verfügung stellte, dieselbe Abmachung erfolgte 1904 mit Knorr in Zernsdorf..
Bei unseren immerhin beschränkten Mitteln konnten wir größere
Bauten in diesen Revieren schon darum nicht vornehmen, weil alles ersparte
Geld für das geplante massive Bootshaus an der Spree Verwendung finden
sollte. Ach, dies massive Bootshaus! Wie haben wir uns mit dem Projekt
herumgeplagt, ohne doch den Mut zu finden, gleich anderen Leuten Darlehen
aufzunehmen und die Sache auf Pump zu riskieren! "Alles bar bezahlen!"
hieß ja vom ersten Tag an unser Leitwort. Die 76 000 Mark, die der
Märkische Ruderverein bis zum Kriegsausbruche aus seinen laufenden
Einnahmen erspart hatte, sollten der Grundstock des stolzen Hauses am Plänterwald
sein. Den Restbetrag aufzubringen, hatte sich eine größere Zahl
von Mitgliedern verpflichtet. August Endell, späterer Direktor der
Braslauer Kunstgewerbeschule, einer der eigenartigsten und feinsten Architekten
der Jahrhundert wende hatte die Pläne fertiggestellt; nach vollendeter
Fundamentierung, die allein 20 000 Mark verschlang, war Ende Juli 1914
mit dem Bau begonnen worden - da brach, vier Tage später, der Krieg
aus, und die Baufirma ließ bedauerlicherweise die Arbeit einstellen.
Erst elf Jahre später, 1925, konnten wir den alten Plan, in vergrößertem
Maßstabe, wieder aufnehmen. Nur daß es uns jetzt sehr am klingenden
Gelde mangelte.
Zweigbootshaus Neue Mühle vor dem
Um- und Anbau
Die Bootshäuser in Pichelswerder und
Neue Mühle (wohin das Zernsdorfer Bootshaus schließlich, nach
kurzer Rast in Cablow, verlegt wurde) nahmen allmählich an Rauminhalt
und wohl auch äußerer Schönheit zu, ohne immerhin bescheidene
Ausmaße zu überschreiten.
Bis zum Jahr 1914 hat der Märkische
Ruderverein, trotz mannigfacher Erschütterungen, in seiner programatischen
Tätigkeit nicht innegehalten. Ja, gerade diese unausgesetzte Werbearbeit,
dies Erfassen immer neuer Bevölkerungsschichten war die Ursache zu
vielerlei Auseinandersetzungen im Verein. Gegen die Erschaffung einer Mädchenabteilung
setzten sich sehr liebe Kameraden zur Wehr, und als die Gründung der
Abteilung beschlossen wurde, schüttelten sie den Staub von ihren Füßen.
Heute ist die Mädchenruderei allgemein anerkannt; während des
Krieges haben sich manche Vereine dank ihr auf den Beinen gehalten, und
der Kölner Rudertag von 1926 hat Damenruderverbände für
aufnahmefähig in den Deutschen-Ruderverband erklärt. Allenthalben
blüht die Frauenruderei machtvoll auf; in Berlin allein sehen wir
ein wahres Gewimmel von Vereinen. Aehnlich erging es uns mit der Jugendruderei.
Als wir 1913 den Jung-Frithjof ins Leben riefen, setzte es abermals erbitterten
Widerspruch und nicht geringere Kämpfe. Aber schon in den Kriegsjahren
wurden allenthalben, selbst in den Vereinen, die die Idee vorher zornvoll
achselzuckend abgelehnt hatten, Jugendabteilungen gegründet, und heute
weiß jedermann, daß aus den Scharen der Jugendlichen, derer
zwischen 15 bis 18, der beste Nachwuchs für die Herrenrudervereine
hervorgeht. Kaum noch ein Berliner Verein von Bedeutung, der nicht
die schulentlassene Jugend an seine Flagge zu fesseln versucht. - Der besseren
Verwaltung halber wandelten wir, nachdem der Märkische Ruderverein
1913 dem Deutschen Ruder-Verbande beigetreten war, die Mädchenabteilung
in den selbständigen Verein Frigga um. Der Jung-Frithjof war von vornherein
als Anschlußverein gedacht.
Zweigbootshaus Werder
Als am 1. August 1914 der Krieg ausbrach,
der, wie schon berichtet, sofort unseren Bootshausbau lahmlegte, folgten
Hunderte von Märkern der Fahne. Sie haben allesamt ihre vaterländische
Pflicht getan, mehr denn 30 ihr Treuegelöbnis mit dem Tode besiegelt,
viele andere schwere Verletzungen davongetragen. In Berlin blieben nur
die Alten zurück. Es war nicht ganz leicht, in jenen Tagen, wo andere
Dinge unser Herz bewegten und um Deutschlands Dasein gerungen wurde, für
die Wanderruderei zu sorgen. Indessen, auch das erwies sich schließlich
als nationale Aufgabe. Und da gerade im Märkischen Ruderverein, ohne
alles Schwanken von jeher kerndeutsche Gesinnung ihre Stätte hatte,
nahmen wir die Arbeit getrost auf. Hierbei half uns die Frigga mit nicht
genug anzuerkennendem Fleiß, und auch der Frithjof betätigte
sich nach Maßgabe seiner Kräfte. So kamen die drei Vereine ohne
allzu schweren Schaden durch die Kriegsjahre. Deutschlands trauriges Schicksal
lastete freilich lähmend auf unseren Gemütern; die frohe, freie
Heiterkeit, mit der wir früher ans Werk gegangen waren, wollte sich
so leicht nicht wieder einstellen. Wohl quoll, als das alte Heer zugrundegegangen
war, ein gewaltiger Schwarm junger Sportbegeisterter auch in die Ruderei
ein, aber jener erstaunliche Zuzug, den andere Sportsgattungen gefunden
haben, ist uns nicht zuteil geworden. Im Vergleich mit der Leichtathletik,
dem Rasensport usw. sind wir Ruderer auf dem Gebiete der Agitation rückständig
gewesen, und so schöpften die anderen den Rahm ab. Nicht einmal die
Kanufahrer haben wir an uns fesseln verstanden. Zwar täuschte der
vorübergehende Zulauf, besonders während der Inflationszeit,
über die Stockung in dieser Tiefe hinweg; sobald aber die wirtschaftliche
Ordnung wiederkehrte und gleichzeitig eine knappere Lebensführung
notwendig wurde, begannen allenthalben Lücken zu klaffen. Es wird
uns gelingen, sie auszufüllen, gewiß. Indessen, heute leiden
alle Rudervereine unter der mißlichen wirtschaftlichen Lage eines
großen Teils ihrer jüngeren und auch eines großen Teils
ihrer älteren Mitglieder. Ueberragende Opfer können billigerweise
gerade jetzt nicht verlangt werden. Wir müssen uns in Geduld fassen.
Taufe von vier neuen Doppelvierern
Die einigermaßen mißachtete
Wanderruderei allgemein und volkstümlich zu machen, ist vom ersten
Tage an Lebensaufgabe des Märkischen Rudervereins gewesen. Um sie
kraftvoll fördern zu können, mußte er sich zu bescheiden
wissen und vom Rennrudern grundsätzlich absehen. Daß viele seiner
jüngeren Mitglieder immer wieder den dringenden Wunsch verspürten,
auf blauer Regattabahn die Riemen und Skulls mit tüchtigen Gegnern
zu kreuzen, ist selbstverständlich; da ihnen das im Märkischen
Ruderverein aber nicht ermöglicht werden konnte, weil er sonst seine
wanderruderische Betätigung hätte einschränken müssen,
so erprobte ein nicht geringer Teil von ihnen seine Kräfte in darauf
eingerichteten Vereinen. Immerhin konnten wir schon um unserer Mitgliedschaft
im Wanderruderverband willen nicht ganz auf die Teilnahme an den sogenannten
Gigregatten verzichten, obgleich wir sie aus sachlichen Gründen nie
als vollwertig anzuerkennen mochten. Viermal ist bei solchen Kämpfen
unser Verein siegreich gewesen. Besonderen Segen hat ihm freilich die Beteiligung
daran nicht gebracht. Denn es scheint nun einmal nicht anders zu gehen:
Entweder sind die Gigrennruderer erfolgreich, und dann streben sie naturgemäß
nach dem "besten Boot" und wollen den Mut, der in ihrer Brust seine Spannkraft
übt, in "richtigen Rennen" zur Geltung bringen, oder sie unterliegen
und wandern dann verstimmt erst recht ab. Deshalb hat der Märkische
Ruderverein in den letzten Jahren für die Gigwettrennen nicht allzu
viel übrig gehabt. Er glaubt, durch fleißige, weite Wanderruderfahrten
seinen Mitgliedern jene Zähigkeit, Umsicht und Geistesgegenwart beizubringen,
die für die Rennruderei nötig ist, und hofft, so auf seine Weise
auch ihr zu nützen. Inzwischen spornt er seine Mannen zu froher Tat
auf seinem besonderen Gebiete an und hat beispielsweise im abgelaufenen
Ruderjahr, am letzten Septembersonntag, drei Doppelvierer auf weite Fahrt
senden können: "Bahnfrei", "Kilometerfresser" und "Reißaus",
die innerhalb 26 Stunden 192,2 km, 200 km und 208,53 km zurückgelegt
haben. Weitausgedehnte Ferienfahrten gingen diesmal u. a. nach Arkona auf
Rügen. Alles das schafft uns innere, lebendige Verbindung mit jenen
großen Jahren des Märkischen Rudervereins, wo unsere Mannschaften,
allenthalben angestaunt, ohne sonderliche Vorbereitungen und mit nicht
allzu viel Geld in der Tasche, von Berlin nach den Masurischen Seen streiften,
die Donau von Ulm bis Pest befuhren, dann von Prag die Moldau abwärts
nach Hause; wo sie die Adlerflagge vielfach auf Rhein, Mosel, Weser, Elbe,
Oder, Weichsel zeigten. Damals waren das noch große Taten; heute
erleichtern dankenswerterweise der Deutsche Ruder-Verband und viele Regattavereine
diese Fahrten ins Gebreit.
Doppelachter auf Fahrt
Alles in allem dürfen wir auf die
Vergangenheit des Märkischen Rudervereins stolz, seiner Gegenwart
froh, einer stolzen und frohen Zukunft gewiß sein. Die alte Arbeits-
und Schaffenslust lebt noch, wie die alte Begeisterung für den Gedanken,
alle tüchtige Jungmannschaft Berlins in die Wasserreviere hinauszuführen,
mit denen keine Großstadt der Welt so begnadet ist wie unsere Stadt.
Der Märkische Ruderverein wird in den nächsten fünfundzwanzig
Jahren erkannte Pflicht wie bisher tun.
Geschäftsstelle des Märkischen Rudervereins:
Berlin W 30, Stübbenstraße 1
Buchdruckerei Deutsche Tageszeitung, Berlin SW
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