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Beitrag im "Der Märker" zum 60jährigen Bestehen (im Jahre 1961)
| 1901 | 31. Oktober | 1961 |
60 Jahre Märkischer Ruderverein e.V.
Der Märker Nr. 5/1961, November/Dezember, S. 3 ff.
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In diesen Tagen haben wir trotz aller augenblicklicher
Widerwärtigkeiten Grund genug, auf eine stolze Vergangenheit des Märkischen
Rudervereins zurückzublicken. Das Nachstehende möge bei den älteren
unter uns liebe Erinnerungen wachrufen und unseren jungen Mitgliedern und
Freunden einen kurzen Einblick in die Geschichte des Vereins gewähren.
Um die Jahrhundertwende unternahm es der
vom Sportgeist und Idealismus durchdrungene Schriftsteller, Redakteur und
Dichter
Richard N o r d h a u s e n
mit Hilfe der Fresse die breite Öffentlichkeit
auf die besonderen Vorzüge des Wanderruderns und die Schönheit
unserer märkischen- und angrenzenden Gewässer aufmerksam zu machen
und zu interessieren. Seine vom dichterischen Geist getragenen Zeitungsartikel
fanden regen Anklang. Es fehlte nicht an Anfragen und Zuschriften, die
schliesslich dazu führten, daß er, von einigen gleichbeseelten.
Freunden unterstützt, zum 31.Oktober 1901 eine öffentliche Versammlung
einberief. In dieser Versammlung wurde dann auch die Gründung das
Vereins unter dem, seinen Zielen entsprechenden Namen "Märkischer
Ruderverein" beschlossen und Richard Nordhausen zum 1.Vorsitzenden gewählt.
Der erste Schritt zur Verwirklichung seiner
Idee war getan. Zunächst konnten jedoch aus der grossen Zahl der sich
um die Aufnahme Bewerbenden nur 300 (1) Herren ausgewählt worden,
die in den nächsten Monaten in einer primitiven Ruderkastenanlage
ruderisch vorgebildet werden mussten. Eine ungeheure Leistung, jeder Ruderwart
würde heut, beim bloßen Gedanken an eine solche Übermacht
an Nachwuchs vor Neid erblassen oder Alpdrücken bekommen die "Märker"
aber brachten es fertig. Ja, sie machten noch viel mehr möglich. Mit
den von Richard Nordhausen größtenteils zur Verfügung gestellten
Mitteln wurde bis zum Frühjahr 1902 das erste Bootshaus des M.R. in
Stralau am Rummelsburger See erbaut und eine große Zahl neuer Boote
beschafft.
Die Mitgliederzahl wuchs ständig und
erreichte bis zum 30.6.1906 mit 754 Mitgliedern ihren höchsten Stand.
Längst war das Bootshaus auf 4 Hallen erweitert, ein großer
Sitzungsraum mit Ökonomie und div. Nebenräume hinzugekommen.
Der Bootspark wies 72 Vereinsboote auf. Für die damalige Zeit und
heute kaum übertroffen eine ansehnliche Flotte, die dem für jeden
Sonntag festgesetzten Fahrtenziel, von dem sich keine Mannschaft ausschliessen
durfte, entgegenfuhr. Bedenkt man nun, daß es auf den Gewässern
ausser den Ruderern und Seglern nur vereinzelte Kanufahrer und keine Massen
motorisierter Wasserfahrzeuge gab, so darf es nicht verwundern, daß
die "Märker" bei dieser Anzahl an Ruderern und Bootsmaterial sowie
durch geschlossenes Auftreten auffielen. Die älteren Rudervereine
nahmen dieses nicht immer mit Wohlgefallen auf.
Im Laufe der Jahre konnte es nicht ausbleiben,
daß immer wieder Bestrebungen innerhalb des Vereins im Gange waren,
die Idee des "Großen", wie Richard Nordhausen von seinen treuen Mitarbeitern
genannt wurde, den M.R. als reinen Wanderruderverein zu erhalten zu durchbrechen
und Rennen fahren zu wollen. Zur Messung der Kräfte wurden lediglich
in jedem Herbst Dauerruder-Wettkämpfe über Strecken bis zu 20
km abgehalten.
Aus diesen oder jenen Gründen wären
auch Abwanderungen zum Zwecke von Neugründungen bezw. Stärkung
schon bestehender Vereine zu verzeichnen. Auf jeden Fall aber, Richard
Nordhausen hatte dennoch sein Ziel erreicht, er hatte vorher Uninteressierte
für die Ruderei gewonnen !
Die Wanderfahrten der "Märker" führten
weit hinaus bis nach Rügen, Kopenhagen, den Masurischen Seen zur Donau
usw. und erregten berechtigtes Aufsehen.
Zur Erleichterung der Fahrten auf unseren
märkischen Gewässern hatte der M.R. als Stützpunkte Zweigbootshäuser
errichtet 1903 auf Pichelswerder, 1905 in Zernsdorf bei Königswusterhausen,
dieses Bootshaus wurde endgültig 1920 nach Neue-Mühle bei Königswusterhausen
auf eigenen Grund und Boden verlegt. Eine 1920 in Werder an der Havel errichtete
Zweigabteilung, die oft und gern das Ziel der Stammabteilung war, wurde
kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges aufgegeben.
Eine im Jahre 1908 dem M.R. angegliederte
Damen-Abteilung musste infolge des Beitritts des M.R. zum Deutschen-Ruderverband
am 1.5.1913 in den selbständigen "Berliner Ruderverein Frigga" umgewandelt
werden. Ferner hatte Richard Nordhausen am 31.3.1914 den Jugend-Ruderverein
"Jung Fritjof" ins Leben gerufen. Beide Vereine waren mit dem M.R. zu einer
Arbeitsgemeinschaft "Märkischer Adler" verbunden.
Der 1.Weltkrieg 1914-19189 dem 33 liebe
Kameraden zum Opfer fielen, war mit seinen Folgen nicht spurlos am M.R.
vorübergegangen. Das gesamte Barvermögen war verloren. Der 1914
in Baumschulenweg am Plänterwald begonnene massive Bootshaus-Neubau,
an dem die Arbeiten infolge des Kriegsausbruchs eingestellt werden mußten,
wurde unter grossen finanziellen Opfern des Vorstandes und anderer Mitglieder
1926 fertiggestellt und in seiner endgültigen Gestaltung zum Abrudern
1929 offiziell eingeweiht.
Allzu viele Jahre konnten sich die "Märker"
dieses prächtigen ja beinahe pompösen Bootshauses nicht erfreuen.
Der zweite Weltkrieg mit seinen furchtbare Folgen, in dem wiederum viele
Kameraden ihr Leben lassen mussten, raubte dem M.R. all seinen Besitz.
Der Stützpunkt Pichelswerder ging
am 16.12.1943 in Flammen auf. Das Bootshaus in Baumschulenweg fiel mit
allen darin befindlichen Vereins- und Privatbooten und dem gesamten Inventar
in der Nacht des 29.12.1943 durch Bomben der Vernichtung anheim. Schließlich
verloren wir auch noch den von allen Kriegsgeschehnissen verschont gebliebenen
Stützpunkt Neue Mühle durch Enteignung.
Diese Entwicklung mitzuerleben blieb Richard
Nordhausen, der 1941 verstorben ist, erspart. Bereits vorher hatte er sein
Amt als 1.Vorsitzenden in die Hände des im April 1906 in den M.R.
eingetretenen Kameraden
Erich F l ü g e l
der viele Jahre das Amt des Schatzmeisters
innehatte, gelegt. Kamerad Flügel, unser jetziger Ehrenvorsitzender,
lebt heute in Westdeutschland.
Der M.R. hatt zunächst seine Tätigkeitsgrundlage
verloren und die Mitglieder waren durch die Zustände nachdem Zusammenbruch
nahezu, ohne Zusammenhang. Aber der alte Märkergeist war nicht tot.
Bereits ab 1946 fanden sich die alten Mitglieder immer mehr und mehr zusammen.
Natürlich wurde in erster Linie an die Wiederbelebung des nunmehr
heimat- und besitzlosen Vereins gedacht. Das dem Fiskus gehörende
Grundstück auf Pichelswerder -der ehemalige Stützpunkt des alten
M.R.- war inzwischen von Mitgliedern zwecks Erhaltung für den Verein
auf eigene Rechnung gepachtet und privat genutzt worden. Als nun nach vielen
Vorbereitungen und reiflichen Überlegungen am 9.Februar 1952 der Verein
wieder neu gegründet wurde, traten die auf Pichelswerder ansässigen
Kameraden ihre Rechte aus dem Pachtvertrag an den, aus grundlegenden Erwägungen
heraus
"Märkischer Adler Wassersportverein"
genannten, neuen Verein ab, der dann 1954
wieder in
"Märkischer Ruderverein"
umbenannt wurde. In dieser Gründungsversammlung
wurde der langjährige 2.Vorsitzende des alten Märkischen Rudervereins
Rudolf S e l k e
zum 1.Vorsitzenden gewählt. Kamerad Selke
stand vor einer schweren, schier unlösbaren Aufgabe. An einen Ruderbetrieb
war zunächst nicht zu denken, die Kasse war leer und auch sonst war
nachts vorhanden. Doch unter seiner Leitung und dem unbeugsamen Willen
der alten Kameraden, zu denen auch unsere Ehrenmitglieder Karl Dührkoop,
Robert Ammann und der am 6.2.1960 verstorbene Carl Diemke gehörten,
zeichneten sieh bald die ersten Anfänge sportlicher Betätigung
ab. Unter Verauslagung des Kaufpreises durch einige Kameraden wurden die
ersten Boote und zwar die Doppelzweier "Dahme" und "Dubrow" beschafft.
Da die Boote äußerst reparaturbedürftig waren, konnten
sie nach Instandsetzung durch die Kameraden erst zum Anrudern 1953 getauft
und in Dienst gestellt werden. Im gleichen Jahr kam noch der Doppelzweier
"Havel" hinzu. Unser Besitz "wuchs nun ständig" 4 Pfähle, ein
Dach, 3 gestiftete eiserne Umkleideschränke, eine provisorische Kaffeeküche
und eine Laubentoilette stellen den Gipfel des Komforts dar; ja, man war
schon bescheiden geworden.
Einem glücklichen Zufall verdanken
wir es, dass wir im September 1952 ein Viermast-Armeezelt geliehen bekamen.
Nun brauchten die Boote nicht mehr im Freien liegen, die Märker hatten
wieder eine Unterkunft und ein Ferienheim zugleich.
In der darauffolgenden Zeit wurde auf dem
Platz emsig geschafft. Es wurde gerodet und planiert, das in Morast übergehende
Ufer bekam ein aus Feldsteinen errichtetes Bollwerk; ein Schwimmsteg wurde
gebaut und vieles mehr.
Der Gedanke an ein neues massives Bootshaus
wurde immer lebendiger. Ein Vermächtnis des im Jahre 1946 verstorbenen
alten Kameraden
Erich S o n n e n t h a l
und ein mässiges Totodarlehen liessen
den Bootshausbau Wirklichkeit werden.
Grösser und schöner als das ehemalige
Holzhaus des alten M.R. auf diesem Grundstück wurde der Rohbau im
Juli 1955 fertiggestellt.
Das geplante Obergeschoss mit Terrasse
konnte leider noch nicht mitgebaut werden. Um die Durchführung des
Bauvorhabens erwarb sich unser Kamerad
Fritz E c k s t ä d t
große Verdienste. Er trat auch, als
Kamerad Selke aus persönlichen Gründen im Oktober 1959 seinen
Rücktritt erklärt hatte, dessen Nachfolge bis zur nächsten
Vorstandsneuwahl an.
Der weitere Ausbau des Hauses und die Vervollkommnung
der Gesamteinrichtung war nur durch die freiwillige Arbeitsleistung von
Mitgliedern und dem geringsten Aufwand an Materialkosten möglich.
Durch Mitgliederzuwachs reichten unsere
3 Doppelzweier nicht mehr aus. 1956 kam der erste neue Doppelvierer "Erich
Sonnenthal" und 1957 der im gebrauchten Zustand erworbene Doppelvierer
"Oberspree" hinzu. Es folgten 1958 der neue Doppelvierer "Richard Nordhausen",
1959 der Doppelvierer "Stralau" und 1960 der gedeckte Doppolzweier "Löcknitz".
Ab 1960 führt Kamerad
Franz K a l i c i n s k i
den Vorsitz.
In jeder Beziehung kann der "Märkische
Ruderverein" mit der Entwicklung seit seiner Wiedergründung zufrieden
sein.
Obwohl bisher nicht alle Pläne verwirklicht
werden konnten, hoffen wir doch, dass eine friedvolle Zukunft ein Weiterarbeiten
Im Sinne des Gründers ermöglichen möge und unsere jungen
Kameraden einst unser Erbe fortsetzen können.
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