Märkischer Ruderverein e.V. - Berlin
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Festschrift

Festzeitschrift des Märkischen Rudervereins e.V. zum 75jährigen Bestehen (im Jahre 1976)

Inhalt

Chronik
Vereinsgründung
Bootshäuser und Stützpunkte
Mitglieder und Wanderfahrten
Und so ging es weiter
Feste soll man feiern wie sie fallen...
Es wird nicht nur gerudert ...
Blick in die Zukunft

Chronik

31.10.1901Gründung des Vereins
1901-1941Richard Nordhausen 1. Vorsitzender
1902Bau des Bootshauses Stralau
1903Stützpunk.t Pichelswerder
1905Bootshaus Zernsdorf-Cablow
1920Zweigbootshaus Neue Mühle
1920Zweigbootshaus Werder
1926Bezug des Hauptbootshauses Baumschulenweg
1941-1945Erich Flügel 1. Vorsitzender
1945-1951Vereinssperre durch die Besatzungsmächte; Ruhen des Vereins
1951-1959Rudolf Selke 1. Vorsitzender
1955Bau des Bootshauses Pichelswerder
1959-1960Fritz Eckstädt 1. Vorsitzender
1960-1968Franz Kalicinski 1. Vorsitzender
1969-jetztBruno Schönwetter1. Vorsitzender

Vereinsgründung

Es war um die Jahrhundertwende, als einige sportbegeisterte junge Leute mit 2 Booten "Deutscher Michel" und "Joß Fritz" hinausfuhren, um sich an der Schönheit der märkischen Landschaft zu erfreuen. Diese beiden Boote gehörten Richard Nordhausen, dem Gründer des "Märkischen Rudervereins".

Richard Nordhausen
Richard Nordhausen (31. 1. 1868-24. 9. 1941)

Richard Nordhausen setzte sich eifrig dafür ein, die Wanderruderei der Allgemeinheit zu erträglichen Bedingungen zugänglich zu machen.

Was aber heißt hier Allgemeinheit und was heißt erträgliche Bedingungen? Hier ging es nicht bloß darum, die Ruderei zu fördern. Da gab es schon eine stattliche Anzahl von anderen Vereinen. Neu und für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich war das soziale Element, das in den Bestrebungen von Richard Nordhausen zum Ausdruck gelangte. Die Allgemeinheit in Berlin, das waren die vielen Mietskasernen mit zwei und mehr Hinterhöfen, das waren die vielen Arbeitskräfte, die in den Gründerjahren von überallher, insbesondere aus Pommern und Schlesien, in die Reichshauptstadt gekommen waren, um hier unter meist sehr bescheidenen Verhältnissen eine Existenz zu finden. Zille hat das Milieu drastisch geschildert. Diesen Menschen das Bewußtsein zu geben, daß es außer Arbeit und Hinterhof noch vieles andere Erreichbare gibt, etwa die Ruderei, das ist ein Verdienst von Richard Nordhausen - und daß er dies durch seinen Beruf auch noch in die Öffentlichkeit tragen konnte, ist ein besonderer Glücksfall. Die erträglichen Bedingungen ... vor allem die Beiträge mußten gering sein, so daß die Menschen von damals sie aufbringen konnten.

Richard Nordhausen war Schriftsteller und Redakteur, widmete sich nach autodidaktischen Studien im wesentlichen dem literarischen Schaffen und der politischen Publizistik. Er dichtete die farbenprächtigen, phantasievollen Epen "Joß Fritz, der Landstreicher", "Vestigia Leonis", "Sonnenwende" und schrieb Novellen, u. a. "Urias Weib", "Das Gespenst" sowie die Romane "Die rote Tinktur" und "Was war es?" Als Redakteur behandelte er Zeitfragen und Erziehungsprobleme. Unter Wanderruderern ist wohl sein Buch "Unsere märkische Heimat" am bekanntesten. Eine Sammlung von Abhandlungen verschiedener Verfasser (Theodor Fontane, Willibald Alexis' dem Geologen Professor Solger etc.) und viele Aufsätze stammen auch aus seiner eigenen Feder: "Auf dem Bindower Fließ nach Teupitz", "Im Müggelrevier", "Der Scharmützel" u. a. Wir verdanken ihm auch viele schöne Ruderlieder, so unser Farbenlied, das Dubrowlied, das Löcknitzlied, die Lieder des Ruderers Unk von Krötenstein, die auch zum Teil in das Verbandsliederbuch übernommen worden sind.

Dank seiner guten Beziehungen zum Scherl-Verlag veröffentlichte er im "Beriner Lokalanzeiger" zahlreiche Artikel, um die Berliner Jugend für seine Pläne zu gewinnen. Diese Aufsätze erweckten starkes Interesse, und es gab auch zahlreiche Anfragen und Zuschriften. Am 31. Oktober 1901 wurde eine öffentliche Versammlung einberufen, in der man die Gründung des Vereins beschloß. Getreu den Zielen, die Liebe zur Natur und zur märkischen Heimat zu erwecken und die Wanderruderei zu betreiben, wurde er auf den Namen "Märkischer Ruderverein" getauft. Richard Nordhausen wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und ist es bis zu seinem Tode im Jahre 1941 geblieben.

Danach übernahm Erich Flügel das Amt des 1. Vorsitzenden. Er leitete den Verein bis zum Kriegsende in vorbildlicher Art. Vorher war er jahrelang Schatzmeister. Stets hatte er eine offene Hand für den MR, dem seine ganze Liebe galt. Zum Dank für seine Treue und für seine Arbeit wurde er mit der goldenen Vereins- und DRV-Nadel ausgezeichnet. Im Jahre 1954 wurde Erich Flügel zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er verstarb am 1. 2. 1972 in Braunfels-Lahn.

Bootshäuser und Stützpunkte

Nach der Gründungsversammlung im Jahre 1901 bestand der MR zwar aus 300 ruderwilligen Mitgliedern, von denen aber 97% keine Ruderausbildung hatten. Ein Bootshaus war nicht vorhanden. Die vom Vorsitzenden in den Verein eingebrachten beiden Boote, ein Doppelzweier und ein Einer, waren der einzige stolze Besitz des Vereins. Es mußten also ein Bootshaus und Boote beschafft werden. In der Zwischenzeit erfolgte die Ausbildung im Kastenrudern in einer Badeanstalt. Richard Nordhausen hat mit eigenem Kapital den Grundstock zum Bau des Bootshauses in Stralau gelegt und auch das Geld für den Erwerb der ersten Boote beschafft. 1902 erfolgte die Einweihung des Hauses am Rummelsburger See. Um die Wanderruderei zu verwirklichen, sind - unter Berücksichtigung der damaligen Arbeitszeiten - Stützpunkte geschaffen worden, die an einem Wochenende als Ziel und am folgenden Wochenende als Start zur Rückfahrt dienten. Oft kehrte man aber dann noch nicht zurück, sondern fuhr mit dem Boot weiter hinaus, um es irgendwo unterzustellen und mit der Bahn zurückzufahren. Auf diese Weise konnte man die Mark Brandenburg kennenlernen, und Ziele wie der Spreewald, Alt- und Neu-Ruppin, der Werbellin-See etc. wurden auf solchen Wochenendetappenfahrten erreicht. Nach dem Kriege ließen sich solche Fahrten wegen der besonderen Lage leider nicht mehr durchführen.

In Pichelswerder, auf dessen Gelände sich unser jetziges Heim befindet, wurde 1903 ein Stützpunkt gepachtet und eine Unterkunft für Mannschaften und Boote errichtet. Um die märkischen Gewässer vom Boot aus kennenzulernen, entstand 1905 das Dahme-Zweigbootshaus in Zernsdorf bei Königswusterhausen, das später nach Cablow verlegt und dann geschlossen wurde. An seiner Stelle errichteten die Mitglieder 1920 auf eigenem Grund und Boden das Zweigbootshaus Neue Mühle bei Königswusterhausen. Im gleichen Jahr entstand in Werder an der Havel eine Zweigabteilung, deren Haus das Ziel vieler Wanderfahrten war.

Altes Bootshaus Pichelswerder
Altes Bootshaus Pichelswerder

Alle diese Stützpunkte und Zweigbootshäuser wurden hinsichtlich ihres Ausmaßes in Grenzen gehalten. Der Verein benötigte sein erspartes Geld für das geplante massive Bootshaus an der Spree in Baumschulenweg, da das Pachtgrundstück in Stralau geräumt werden mußte.

76.000,-- Mark hatte der Schatzmeister beisammen. Bis zur Fertigstellung der Fundamente waren 20.000,-- Mark verbraucht. Als Ende Juli 1914 mit den Aufbauten begonnen werden sollte, stellte die Baufirma die Arbeiten mit Beginn des Kriegsausbruchs ein. Durch die Folgen der Inflation war auch das ersparte Kapital des Vereins verloren. 1924, nachdem die Währung sich stabilisiert hatte, ist unter finanzieller Beteiligung der Mitglieder der Bootshausbau fortgeführt und 1926 bis auf einige fehlende Ausbauten fertiggestellt worden.

Bootshaus Baumschulenweg
Bootshaus Baumschulenweg

Über den vier Bootshallen befanden sich der große Festsaal für 400 Personen mit einer Veranda sowie Sitzungs- und Vorstandszimmer; im Dachgeschoß die Übernachtungsräume.

Vier Bootshallen im Erdgeschoß beherbergten 72 vereinseigene Boote:
2 Doppelachter
2 Riemenachter
15 Doppelvierer
27 Riemenvierer
14 Doppelzweier
6 Gedeckte Zweier
5 Übungsboote
1 Stammboot, den Doppelzweier, den R. Nordhausen bei der Gründung des Vereins eingebracht hatte.

Mitglieder und Wanderfahrten

Die Mitgliederzahl stieg von 300 im Jahre 1901 auf über 750 in den nächsten fünf Jahren. Da gegen nicht geringen Widerstand auch Damen in den MR Aufnahme fanden, was für damalige Verhältnisse fast revolutionär war, sah sich der Vorstand genötigt, 1908 eine Damenabteilung unter dem Namen, "Frigga" dem MR anzugliedern. 1914 wurde aus organisatorischen Gründen die Jugendabteilung "Jung Frithjof" im MR geschaffen. Aus dem Mitgliederbestand des MR sind viele Kameraden zu Rennruderabteilungen anderer Vereine übergewechselt. Solange noch Gig-Regatten gefahren wurden, hatte der MR eine kleine Renngruppe. Die Wanderruderidee unseres Vereins ist durch diese Übertritte auch in andere Vereine getragen worden. Wanderruderei und Rennruderei ergänzen sich gegenseitig. Die Wanderruderer drängen in die Breite, aus der die Rennruderer für ihre Spitze Nutzen ziehen. Und umgekehrt wird so mancher erst durch das Rennrudern auf diesen Sport aufmerksam, wird dann Wanderruderer und bleibt es in vielen Fällen.

Die Stützpunkte des MR erschlossen nicht nur der Wanderruderei die märkischen Gewässer; sie spornten auch die Bootsbesatzungen an, die jährlichen Kilometer im Vereinswanderrudern zu steigern.

Waren es
1902 noch  48.641 km, so stiegen die Zahlen in den Jahren
1903  66.138 km,
1904  68.348 km,
1905105.599 km,
von denen der Urmärker R. Mickley allein 6.037 km erruderte. Eine Leistung, die unter Berücksichtigung der damaligen Arbeitszeiten nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Die Wanderfahrten des MR blieben nicht auf die märkischen Gewässer begrenzt. Im Urlaub wurden ausgedehnte Ferienfahrten unter anderem nach Arkona auf Rügen, zu den Masurischen Seen, zur Donau von Ulm bis Budapest, zur Moldau bis Prag, zum Rhein, zur Mosel, zur Weser, zur Elbe, zur Oder und zur Weichsel durchgeführt.

Und so ging es weiter

Den ersten Weltkrieg hatte der MR glimpflich überstanden. Über 30 Kameraden kehrten nicht mehr in die Heimat zurück, viele andere waren schwer verletzt.

1919 trat der MR dem Wanderruder-Verband "Mark Brandenburg" bei. Auf dem Kölner Rudertag von 1926 wurden erstmals Damenruder-Vereine für aufnahmefähig in den Deutschen Ruderverband erklärt.

1943, am 16. Dezember, wurden das Zweigbootshaus Pichelswerder, und am 29. Dezember, das Hauptbootshaus in Baumschulenweg mit allem Inventar und Bootsmaterial durch Brandbomben zerstört. Erhalten blieb das Bootshaus Neue Mühle mit einem Vereinsdoppelzweier und einigen Privatbooten. 1945 beschlagnahmte und 1947enteignete die sowjetische Besatzungsmacht dieses Grundstück. Damit war dem Verein die Tätigkeitsgrundlage entzogen.

Die gesetzliche Sperre wurde erst 1950/51 aufgehoben. Geblieben waren nur einige wenige Kameraden, die an den Geist der Wanderruderei glaubten, und die Erinnerung an die Gründung des MR aus dem Nichts, vor dem man jetzt wieder stand, wachhielten. Sie fanden sich am 9. 2. 1952 zur ersten Versammlung ein und wählten Rudolf Selke zum Vorsitzenden. Er führte den Verein lange Jahre hindurch in vorbildlicher Weise und ist heute Ehrenvorsitzender. Für seine besonderen Verdienste erhielt er die goldene Ehrennadel des Vereins und die des DRV.

Dem Verein war das Grundstück in Pichelswerder erhalten geblieben. Als Bootshausersatz diente ein gesehenes viermastiges Armeezelt. Die Garderobenschränke standen im Freien unter einem Bretterdach, das Umziehen fand auch im Freien statt. Unsere ersten Boote waren die "Dahme" und die "Dubrow".

Bootstaufe der "Dahme" und "Dubraow" in Pichelswerder
Bootstaufe der "Dahme" und "Dubraow" in Pichelswerder

Auf die Dauer befriedigten die zirkusähnlichen Verhältnisse die Märker nicht. Ein Bootshaus mußte wieder her. Wesentlich kleiner als in Baumschulenweg, denn Grundstücksgröße und Geldmittel ließen keinen Palast zu. Einige Kameraden gaben Darlehen. Der Beitrag wurde auf monatlich DM 6,-- erhöht (gemessen an unseren heutigen Einkommen zahlen wir jetzt bescheidene Beiträge). Nun konnte es losgehen. Im April 1955 erfolgte die Grundsteinlegung.

Grundsteinlegung Bootshaus Pichelswerder durch den 1. Vorsitzenden Rudolf Selke
Grundsteinlegung Bootshaus Pichelswerder durch den 1. Vorsitzenden Rudolf Selke

Zum Glück hatte der Verein einen Fritz Eckstädt in seinen Reihen, der neben Geld vor allem viel Zeit für das Werden des Baues opferte. Schon am 8. 6. 1955 konnte der Verein Richtfest feiern. Der Innenausbau, die Installationen, der Bootsträgereinbau,der Bau der Toilettenhäuschen u. v. a. wurden von den Märkern größtenteils selbst ausgeführt. Es folgten in den nächsten Jahren der Einbau unseres bescheidenen, aber gemütlichen Aufenthaltsraumes. Zuletzt (1970) wurde die Bar fertiggestellt. Daneben entstanden die Steganlage, die Grundstückseinfriedung und die Waschanlage. Allen, die hier mitgewirkt haben, gebührt unser Dank; besonders aber unserem Gerhard Vogt, der mit großem handwerklichen Können die meisten dieser Einrichtungen geplant und gebaut oder die Ausführung angeleitet hat. Er hat dem MR viele Geldausgaben erspart.

Bootshaus Pichelswerder
Bootshaus Pichelswerder

Nachdem Rudolf Selke aus privaten Gründen den Vereinsvorsitz niedergelegt hatte, folgte 1960 nach einer Interimsführung von Fritz Eckstädt Franz Kalicinski als1. Vorsitzender. Während seiner Amtszeit wurde der Doppelachter "Märkischer Adler" angeschafft, der auf der Wassersportausstellung 1965 auf dem Stand des Berliner Regatta-Vereins bewundert werden konnte. Dem Kauf gingen hitzige Diskussionen über das Für und Wider voraus. Die Waage neigte sich dann zugunsten der Befürworter, als aus diesem Kreis eine Spendenaktion gestartet wurde. Das Geld wurde sicher richtig angelegt. Viele MR-Mannschaften und auch solche befreundeter Vereine werden es bestätigen. Man sollte auch daran denken, daß heute für den damaligen Kaufpreis nur noch ein Zweier-mit zu haben ist.

Seit 1969 leitet Bruno Schönwetter umsichtig und einsatzfreudig die Vereinsgeschicke. 1974 nahmen wir die Kameraden des Ruder-Club Kirschner als Gäste in unserem Bootshaus auf, da sie heimatlos geworden waren. Die Zusammenarbeit mit ihnen beim Sport, bei Arbeitsdiensten und Festvorbereitungen könnte nicht besser sein. Heute besitzt der MR schon wieder 13 vereinseigene Boote:

    1 Doppelachter
    4 Doppelvierer
    2 Riemenvierer
    1 Dreier
    2 Doppelzweier
    1 Einer
    1 Kunststoff-Skiff
    1 Einer mit Steuermann
    1 weiterer Doppelvierer ist in Auftrag gegeben worden.

Wegen räumlicher Enge auf unseren Gewässern und wegen der gewandelten Einstellung der heutigen Jugend - und auch der etwas Älteren - zum Rudersport lassen die erzielten Ruderergebnisse sicher keinen Vergleich mit denen unserer Gründungsjahre zu. So erruderten die Mitglieder 1975 insgesamt 20.878 Kilometer. Wanderrudern ist heute keine Weltanschauung mehr, sondern ein Freizeitangebot unter vielen. Unter diesen Voraussetzungen kann sich die sportliche Ausbeute sicher noch sehenlassen. Besonders die Fahrten auf Weser, Werra, Fulda, Mosel, Elbe, Ratzeburger Seen, Moldau, Donau usw., veranstaltet vom DRV, LRV, anderen Vereinen und von uns selbst, sind hier zu erwähnen.

Feste soll man feiern wie sie fallen...

Neben den sportlichen Betätigungen spielen auch die gesellschaftlichen Ereignisse eine große Rolle. Aus den Jahren vor dem Zusammenbruch steht in der Chroniknichts, aber es ist anzunehmen, daß die Kameradinnen und Kameraden schon zu damaligen Zeiten kräftig gefeiert haben. Denn wozu hatte man sonst im Bootshaus Baumschulenweg einen Festsaal für 400 Personen gebaut? Aus Erzählungen ist zum Beispiel bekannt, daß in der Winter-Saison jeden Sonnabend gejubelt wurde. Der Stammverein, Frigga und Jung Frithjof richteten zusammen jährlich das Stiftungsfest aus. Daneben veranstalteten die Abteilungen eigene Feste, wie einen chinesischen Teeabend, einen Maskenball, ein Strandfest. Zur Faschingszeit gab es karnevalistische Sitzungen mit Elferrat, Funkengarde und Büttenrednern aus Mitgliederkreisen. Beim An- und, Abrudern hielt man in großen Ausflugslokalen Kommerse ab.

Nach dem Wiederbeginn standen zunächst die persönlichen Begegnungen im Vordergrund. - Das offizielle An- und Abrudern waren die "Ereignisse des Jahres", später kamen dann die Kerzenabende hinzu, bei denen der Weihnachtsmann unseren Nachwuchs mit kleinen Geschenken bedachte. Schon bald wurde die Ballsaison auch durch das Stiftungsfest des Märkischen Rudervereins bereichert. Sind die ersten Jahre in der Lichtburg an der "Plumpe" gefeiert worden, so gab seit einiger Zeit das Restaurant der Berliner Kongreßhalle den stimmungsvollen Rahmen dafür her. Zu erwähnen wäre noch die zur Tradition gewordene Pflaumenkuchenfahrt, die sich zum 21. Male jährt. Hierzu gehen sagenhafte Gerüchte um über die Mengen der vertilgten Kuchenberge, die unsere Damen großzügigerweise gebacken und gespendet haben.

Zum absoluten Höhepunkt der Festivitäten gehört zweifelsohne nun schon lange das Sommerfest. Zahlreiche Idealisten verwandeln in aufopferungsvoller Arbeit das Bootshaus mit bühnen- und fernsehreifen Kulissen in irgendein fernes Land bzw. versetzen es in historische Zeiten. Einen kleinen Eindruck vermitteln die abgedruckten Plakate. In Rudererkreisen hat nicht zuletzt das Sommerfest den Namen des Märkischen Rudervereins in gutem Sinne bekannt gemacht, und so kommen jährlich 300 bis 400 Gäste, um eine tolle Nacht am Pichelssee zu feiern.

Plakate für MR-Sommerfeste

Die einst sehr lustigen "Himmelfahrtskommandos" am Vatertag sind durch die Vielzahl der Motorboote und mangelndes Interesse aus dem Veranstaltungskalender gewichen.

Es bleibt zu hoffen, daß sich auch in den nächsten Jahren immer wieder Mitglieder zur Verfügung stellen und das Vereinsleben durch attraktive Veranstaltungen bereichern.

Es wird nicht nur gerudert ...

Es wird im Märkischen Ruderverein aber nicht nur gerudert und gefeiert, sondern zahlreiche Nebensportarten sorgen für Abwechslung. Der frühere Berliner Regattaverein und jetzige Landesruderverband Berlin hat sein Angebot ständig erweitert. Nach dem Spruch von Pierre Coubertin "Teilnahme ist wichtiger als Sieg" sind auch unsere Mitglieder fast immer am Start. Statt spektakulärer Siege bei Regatten weist die Chronik Sieger und Placierte in verschiedenen Disziplinen aus.

Anfänglich gab es zweimal im Jahr Waldläufe, wobei wohl mit fortschreitender Motorisierung die Lust am Laufen vergangen sein muß. Mit dabei ist jedoch immer ein Häufchen Schwimmer. Einige, die von Anfang an mitmachten, starten heute schon als "alte Herren".

Die Begeisterung beim "Knödeln" zum An- und Abrudern führte zur Teilnahme am Fußballturnier des Landesruderverbandes. Außer Knochenbrüchen und anderen Blessuren konnten noch keine großen Erfolge verzeichnet werden. Das gilt auch für das Volleyballturnier.

Zu einer festen Einrichtung sind inzwischen die Tischtennis-Rundenspiele geworden. Hier kämpfen Kameraden in Spielgemeinschaft mit der Ruderriege der Turngemeinde in Berlin (TiB) gegen andere Rudervereine um Punkte und Klassenerhalt. Wenn man das Wandern auch als Ausgleichssport betrachten will, so wäre noch die jährliche Bußtagswanderung zu erwähnen.

Blick in die Zukunft

Die Vereinsgeschichte soll den Mitgliedern und Freunden des Märkischen Rudervereins einen Einblick in die Entwicklung geben und dabei in den Älteren Erinnerungen wachrufen und den Jüngeren etwas Tradition näherbringen.

Mit dem Blick zurück kann der Verein jedoch nicht aufrecht erhalten werden, der Blick muß in die Zukunft gerichtet sein. Die Jahre vor uns werden dabei sicher nicht einfacher als so manches vergangene Jahr. Der Verein als solcher hat einen sehr schweren Stand in unserer schnellebigen Zeit. Er kann sich, wie schon erwähnt, nur als eines von vielen Freizeitangeboten sehen. Vordringlich wird es sein, Jugendliche und Junioren für den Rudersport zu interessieren. Der Nachwuchs aus den eigenen Reihen reicht dazu nicht aus, auch wenn er so zahlreich wie noch nie ist. Eine intensivere Jugendarbeit, die systematischer sein müßte, ist notwendig. Schon deshalb, weil neue Betreuer gebraucht werden und der Vorstand einer ständigen Verjüngung bedarf. Wie schwierig es ist, Idealisten mit entsprechenden Fähigkeiten für die Aufgabe zu finden, wissen nicht nur wir in unserem Verein. Eine wesentliche Rolle spielt hierbei das Verhalten der länger dem Verein angehörenden Mitglieder gegenüber den Neuen mit oftmals progressiven Ideen. Mit gesunder Aufgeschlossenheit lassen sich bestimmt Verbindungen zwischen den verschiedenen Meinungen und vernünftige Lösungen schaffen. Neben den Voraussetzungen eines harmonischen Mitgliederlebens gehören selbstverständlich auch die äußeren Bedingungen zu einem gut funktionierenden Verein. Hier kann noch vieles verbessert werden. Vordringlich wäre die Schaffung neuzeitlicher sanitärer Einrichtungen, von denen schon so lange die Rede ist. Vielleicht gelingt auch einmal der Aufbau des Bootshauses mit einem größeren Aufenthaltsraum. und Umkleideräumen. Am Bootsbestand sind Neuanschaffungen nur als Ersatz notwendig; die Erhaltung durch sorgsamen Umgang und ständige Pflege ist ein Anliegen an alle.

Der Verein am Pichelssee soll aber immer und trotz allem eine Stätte der Begegnung für viele Berliner, westdeutsche und ausländische Wanderruderer bleiben. Er soll nicht nur Ausgangspunkt für Wanderruderfahrten, sondern auch ein Treffpunkt unserer älteren Mitglieder und gleichzeitig der Tummelplatz unseres Nachwuchses sein. In unseren bescheidenen Räumlichkeiten stehen keine Siegerpokale, denn der MR betreibt keine Rennruderei. Die uns gestellte Aufgabe, die Pflege des Wanderruderns gibt uns auf Wanderfahrten die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen und alte zu vertiefen.
Symbol hierfür sind der Austausch von Freundschaftsflaggen und Jerseys sowie gegenseitige Einladungen zu sportlichen Begegnungen.

Dies war die Aufgabe in der Vergangenheit und ist gleichzeitig Verpflichtung für die Zukunft.

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© 1996-2004 Märkischer Ruderverein e.V. - Berlin [2004/03/24]