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Festzeitschrift des Märkischen Rudervereins e.V. zum 75jährigen Bestehen (im Jahre 1976)
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Inhalt
Chronik
Vereinsgründung
Bootshäuser und Stützpunkte
Mitglieder und Wanderfahrten
Und so ging es weiter
Feste soll man feiern wie sie fallen...
Es wird nicht nur gerudert ...
Blick in die Zukunft

Chronik
| 31.10.1901 | | Gründung des Vereins |
| 1901-1941 | | Richard Nordhausen 1. Vorsitzender |
| 1902 | | Bau des Bootshauses Stralau |
| 1903 | | Stützpunk.t Pichelswerder |
| 1905 | | Bootshaus Zernsdorf-Cablow |
| 1920 | | Zweigbootshaus Neue Mühle |
| 1920 | | Zweigbootshaus Werder |
| 1926 | | Bezug des Hauptbootshauses Baumschulenweg |
| 1941-1945 | | Erich Flügel 1. Vorsitzender |
| 1945-1951 | | Vereinssperre durch die Besatzungsmächte; Ruhen des Vereins |
| 1951-1959 | | Rudolf Selke 1. Vorsitzender |
| 1955 | | Bau des Bootshauses Pichelswerder |
| 1959-1960 | | Fritz Eckstädt 1. Vorsitzender |
| 1960-1968 | | Franz Kalicinski 1. Vorsitzender |
| 1969-jetzt | | Bruno Schönwetter1. Vorsitzender |

Vereinsgründung
Es war um die Jahrhundertwende, als einige
sportbegeisterte junge Leute mit 2 Booten "Deutscher Michel" und "Joß
Fritz" hinausfuhren, um sich an der Schönheit der märkischen
Landschaft zu erfreuen. Diese beiden Boote gehörten Richard Nordhausen,
dem Gründer des "Märkischen Rudervereins".
Richard Nordhausen (31. 1. 1868-24. 9. 1941)
Richard Nordhausen setzte sich eifrig dafür
ein, die Wanderruderei der Allgemeinheit zu erträglichen Bedingungen
zugänglich zu machen.
Was aber heißt hier Allgemeinheit
und was heißt erträgliche Bedingungen? Hier ging es nicht bloß
darum, die Ruderei zu fördern. Da gab es schon eine stattliche Anzahl
von anderen Vereinen. Neu und für die damaligen Verhältnisse
ungewöhnlich war das soziale Element, das in den Bestrebungen von
Richard Nordhausen zum Ausdruck gelangte. Die Allgemeinheit in Berlin,
das waren die vielen Mietskasernen mit zwei und mehr Hinterhöfen,
das waren die vielen Arbeitskräfte, die in den Gründerjahren
von überallher, insbesondere aus Pommern und Schlesien, in die Reichshauptstadt
gekommen waren, um hier unter meist sehr bescheidenen Verhältnissen
eine Existenz zu finden. Zille hat das Milieu drastisch geschildert. Diesen
Menschen das Bewußtsein zu geben, daß es außer Arbeit
und Hinterhof noch vieles andere Erreichbare gibt, etwa die Ruderei, das
ist ein Verdienst von Richard Nordhausen - und daß er dies durch
seinen Beruf auch noch in die Öffentlichkeit tragen konnte, ist ein
besonderer Glücksfall. Die erträglichen Bedingungen ... vor allem
die Beiträge mußten gering sein, so daß die Menschen von
damals sie aufbringen konnten.
Richard Nordhausen war Schriftsteller und
Redakteur, widmete sich nach autodidaktischen Studien im wesentlichen dem
literarischen Schaffen und der politischen Publizistik. Er dichtete die
farbenprächtigen, phantasievollen Epen "Joß Fritz, der Landstreicher",
"Vestigia Leonis", "Sonnenwende" und schrieb Novellen, u. a. "Urias Weib",
"Das Gespenst" sowie die Romane "Die rote Tinktur" und "Was war es?" Als
Redakteur behandelte er Zeitfragen und Erziehungsprobleme. Unter Wanderruderern
ist wohl sein Buch "Unsere märkische Heimat" am bekanntesten. Eine
Sammlung von Abhandlungen verschiedener Verfasser (Theodor Fontane, Willibald
Alexis' dem Geologen Professor Solger etc.) und viele Aufsätze stammen
auch aus seiner eigenen Feder: "Auf dem Bindower Fließ nach Teupitz",
"Im Müggelrevier", "Der Scharmützel" u. a. Wir verdanken ihm
auch viele schöne Ruderlieder, so unser Farbenlied, das Dubrowlied,
das Löcknitzlied, die Lieder des Ruderers Unk von Krötenstein,
die auch zum Teil in das Verbandsliederbuch übernommen worden sind.
Dank seiner guten Beziehungen zum Scherl-Verlag
veröffentlichte er im "Beriner Lokalanzeiger" zahlreiche Artikel,
um die Berliner Jugend für seine Pläne zu gewinnen. Diese Aufsätze
erweckten starkes Interesse, und es gab auch zahlreiche Anfragen und Zuschriften.
Am 31. Oktober 1901 wurde eine öffentliche Versammlung einberufen,
in der man die Gründung des Vereins beschloß. Getreu den Zielen,
die Liebe zur Natur und zur märkischen Heimat zu erwecken und die
Wanderruderei zu betreiben, wurde er auf den Namen "Märkischer Ruderverein"
getauft. Richard Nordhausen wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt und
ist es bis zu seinem Tode im Jahre 1941 geblieben.
Danach übernahm Erich Flügel
das Amt des 1. Vorsitzenden. Er leitete den Verein bis zum Kriegsende in
vorbildlicher Art. Vorher war er jahrelang Schatzmeister. Stets hatte er
eine offene Hand für den MR, dem seine ganze Liebe galt. Zum Dank
für seine Treue und für seine Arbeit wurde er mit der goldenen
Vereins- und DRV-Nadel ausgezeichnet. Im Jahre 1954 wurde Erich Flügel
zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er verstarb am 1. 2. 1972 in Braunfels-Lahn.

Bootshäuser und Stützpunkte
Nach der Gründungsversammlung im Jahre
1901 bestand der MR zwar aus 300 ruderwilligen Mitgliedern, von denen aber
97% keine Ruderausbildung hatten. Ein Bootshaus war nicht vorhanden. Die
vom Vorsitzenden in den Verein eingebrachten beiden Boote, ein Doppelzweier
und ein Einer, waren der einzige stolze Besitz des Vereins. Es mußten
also ein Bootshaus und Boote beschafft werden. In der Zwischenzeit erfolgte
die Ausbildung im Kastenrudern in einer Badeanstalt. Richard Nordhausen
hat mit eigenem Kapital den Grundstock zum Bau des Bootshauses in Stralau
gelegt und auch das Geld für den Erwerb der ersten Boote beschafft.
1902 erfolgte die Einweihung des Hauses am Rummelsburger See. Um die Wanderruderei
zu verwirklichen, sind - unter Berücksichtigung der damaligen Arbeitszeiten
- Stützpunkte geschaffen worden, die an einem Wochenende als Ziel
und am folgenden Wochenende als Start zur Rückfahrt dienten. Oft kehrte
man aber dann noch nicht zurück, sondern fuhr mit dem Boot weiter
hinaus, um es irgendwo unterzustellen und mit der Bahn zurückzufahren.
Auf diese Weise konnte man die Mark Brandenburg kennenlernen, und Ziele
wie der Spreewald, Alt- und Neu-Ruppin, der Werbellin-See etc. wurden auf
solchen Wochenendetappenfahrten erreicht. Nach dem Kriege ließen
sich solche Fahrten wegen der besonderen Lage leider nicht mehr durchführen.
In Pichelswerder, auf dessen Gelände
sich unser jetziges Heim befindet, wurde 1903 ein Stützpunkt gepachtet
und eine Unterkunft für Mannschaften und Boote errichtet. Um die märkischen
Gewässer vom Boot aus kennenzulernen, entstand 1905 das Dahme-Zweigbootshaus
in Zernsdorf bei Königswusterhausen, das später nach Cablow verlegt
und dann geschlossen wurde. An seiner Stelle errichteten die Mitglieder
1920 auf eigenem Grund und Boden das Zweigbootshaus Neue Mühle bei
Königswusterhausen. Im gleichen Jahr entstand in Werder an der Havel
eine Zweigabteilung, deren Haus das Ziel vieler Wanderfahrten war.
Altes Bootshaus Pichelswerder
Alle diese Stützpunkte und Zweigbootshäuser
wurden hinsichtlich ihres Ausmaßes in Grenzen gehalten. Der Verein
benötigte sein erspartes Geld für das geplante massive Bootshaus
an der Spree in Baumschulenweg, da das Pachtgrundstück in Stralau
geräumt werden mußte.
76.000,-- Mark hatte der Schatzmeister
beisammen. Bis zur Fertigstellung der Fundamente waren 20.000,-- Mark verbraucht.
Als Ende Juli 1914 mit den Aufbauten begonnen werden sollte, stellte die
Baufirma die Arbeiten mit Beginn des Kriegsausbruchs ein. Durch die Folgen
der Inflation war auch das ersparte Kapital des Vereins verloren. 1924,
nachdem die Währung sich stabilisiert hatte, ist unter finanzieller
Beteiligung der Mitglieder der Bootshausbau fortgeführt und 1926 bis
auf einige fehlende Ausbauten fertiggestellt worden.
Bootshaus Baumschulenweg
Über den vier Bootshallen befanden
sich der große Festsaal für 400 Personen mit einer Veranda sowie
Sitzungs- und Vorstandszimmer; im Dachgeschoß die Übernachtungsräume.
Vier Bootshallen im Erdgeschoß beherbergten
72 vereinseigene Boote:
2 Doppelachter
2 Riemenachter
15 Doppelvierer
27 Riemenvierer
14 Doppelzweier
6 Gedeckte Zweier
5 Übungsboote
1 Stammboot, den Doppelzweier, den R.
Nordhausen bei der Gründung des Vereins eingebracht hatte.

Mitglieder und Wanderfahrten
Die Mitgliederzahl stieg von 300 im Jahre
1901 auf über 750 in den nächsten fünf Jahren. Da gegen
nicht geringen Widerstand auch Damen in den MR Aufnahme fanden, was für
damalige Verhältnisse fast revolutionär war, sah sich der Vorstand
genötigt, 1908 eine Damenabteilung unter dem Namen, "Frigga" dem MR
anzugliedern. 1914 wurde aus organisatorischen Gründen die Jugendabteilung
"Jung Frithjof" im MR geschaffen. Aus dem Mitgliederbestand des MR sind
viele Kameraden zu Rennruderabteilungen anderer Vereine übergewechselt.
Solange noch Gig-Regatten gefahren wurden, hatte der MR eine kleine Renngruppe.
Die Wanderruderidee unseres Vereins ist durch diese Übertritte auch
in andere Vereine getragen worden. Wanderruderei und Rennruderei ergänzen
sich gegenseitig. Die Wanderruderer drängen in die Breite, aus der
die Rennruderer für ihre Spitze Nutzen ziehen. Und umgekehrt wird
so mancher erst durch das Rennrudern auf diesen Sport aufmerksam, wird
dann Wanderruderer und bleibt es in vielen Fällen.
Die Stützpunkte des MR erschlossen
nicht nur der Wanderruderei die märkischen Gewässer; sie spornten
auch die Bootsbesatzungen an, die jährlichen Kilometer im Vereinswanderrudern
zu steigern.
Waren es
| 1902 | noch | 48.641 km, so stiegen die Zahlen in den Jahren |
| 1903 | | 66.138 km, |
| 1904 | | 68.348 km, |
| 1905 | | 105.599 km, |
von denen der Urmärker R. Mickley allein
6.037 km erruderte. Eine Leistung, die unter Berücksichtigung der
damaligen Arbeitszeiten nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Die Wanderfahrten des MR blieben nicht auf die märkischen Gewässer
begrenzt. Im Urlaub wurden ausgedehnte Ferienfahrten unter anderem nach
Arkona auf Rügen, zu den Masurischen Seen, zur Donau von Ulm bis Budapest,
zur Moldau bis Prag, zum Rhein, zur Mosel, zur Weser, zur Elbe, zur Oder
und zur Weichsel durchgeführt.

Und so ging es weiter
Den ersten Weltkrieg hatte der MR glimpflich
überstanden. Über 30 Kameraden kehrten nicht mehr in die Heimat
zurück, viele andere waren schwer verletzt.
1919 trat der MR dem Wanderruder-Verband
"Mark Brandenburg" bei. Auf dem Kölner Rudertag von 1926 wurden erstmals
Damenruder-Vereine für aufnahmefähig in den Deutschen Ruderverband
erklärt.
1943, am 16. Dezember, wurden das Zweigbootshaus
Pichelswerder, und am 29. Dezember, das Hauptbootshaus in Baumschulenweg
mit allem Inventar und Bootsmaterial durch Brandbomben zerstört. Erhalten
blieb das Bootshaus Neue Mühle mit einem Vereinsdoppelzweier und einigen
Privatbooten. 1945 beschlagnahmte und 1947enteignete die sowjetische Besatzungsmacht
dieses Grundstück. Damit war dem Verein die Tätigkeitsgrundlage
entzogen.
Die gesetzliche Sperre wurde erst 1950/51
aufgehoben. Geblieben waren nur einige wenige Kameraden, die an den Geist
der Wanderruderei glaubten, und die Erinnerung an die Gründung des
MR aus dem Nichts, vor dem man jetzt wieder stand, wachhielten. Sie fanden
sich am 9. 2. 1952 zur ersten Versammlung ein und wählten Rudolf Selke
zum Vorsitzenden. Er führte den Verein lange Jahre hindurch in vorbildlicher
Weise und ist heute Ehrenvorsitzender. Für seine besonderen Verdienste
erhielt er die goldene Ehrennadel des Vereins und die des DRV.
Dem Verein war das Grundstück in Pichelswerder
erhalten geblieben. Als Bootshausersatz diente ein gesehenes viermastiges
Armeezelt. Die Garderobenschränke standen im Freien unter einem Bretterdach,
das Umziehen fand auch im Freien statt. Unsere ersten Boote waren die "Dahme"
und die "Dubrow".
Bootstaufe der "Dahme" und "Dubraow" in
Pichelswerder
Auf die Dauer befriedigten die zirkusähnlichen
Verhältnisse die Märker nicht. Ein Bootshaus mußte wieder
her. Wesentlich kleiner als in Baumschulenweg, denn Grundstücksgröße
und Geldmittel ließen keinen Palast zu. Einige Kameraden gaben Darlehen.
Der Beitrag wurde auf monatlich DM 6,-- erhöht (gemessen an unseren
heutigen Einkommen zahlen wir jetzt bescheidene Beiträge). Nun konnte
es losgehen. Im April 1955 erfolgte die Grundsteinlegung.
Grundsteinlegung Bootshaus Pichelswerder
durch den 1. Vorsitzenden Rudolf Selke
Zum Glück hatte der Verein einen Fritz
Eckstädt in seinen Reihen, der neben Geld vor allem viel Zeit für
das Werden des Baues opferte. Schon am 8. 6. 1955 konnte der Verein Richtfest
feiern. Der Innenausbau, die Installationen, der Bootsträgereinbau,der
Bau der Toilettenhäuschen u. v. a. wurden von den Märkern größtenteils
selbst ausgeführt. Es folgten in den nächsten Jahren der Einbau
unseres bescheidenen, aber gemütlichen Aufenthaltsraumes. Zuletzt
(1970) wurde die Bar fertiggestellt. Daneben entstanden die Steganlage,
die Grundstückseinfriedung und die Waschanlage. Allen, die hier mitgewirkt
haben, gebührt unser Dank; besonders aber unserem Gerhard Vogt, der
mit großem handwerklichen Können die meisten dieser Einrichtungen
geplant und gebaut oder die Ausführung angeleitet hat. Er hat dem
MR viele Geldausgaben erspart.
Bootshaus Pichelswerder
Nachdem Rudolf Selke aus privaten Gründen
den Vereinsvorsitz niedergelegt hatte, folgte 1960 nach einer Interimsführung
von Fritz Eckstädt Franz Kalicinski als1. Vorsitzender. Während
seiner Amtszeit wurde der Doppelachter "Märkischer Adler" angeschafft,
der auf der Wassersportausstellung 1965 auf dem Stand des Berliner Regatta-Vereins
bewundert werden konnte. Dem Kauf gingen hitzige Diskussionen über
das Für und Wider voraus. Die Waage neigte sich dann zugunsten der
Befürworter, als aus diesem Kreis eine Spendenaktion gestartet wurde.
Das Geld wurde sicher richtig angelegt. Viele MR-Mannschaften und auch
solche befreundeter Vereine werden es bestätigen. Man sollte auch
daran denken, daß heute für den damaligen Kaufpreis nur noch
ein Zweier-mit zu haben ist.
Seit 1969 leitet Bruno Schönwetter
umsichtig und einsatzfreudig die Vereinsgeschicke. 1974 nahmen wir die
Kameraden des Ruder-Club Kirschner als Gäste in unserem Bootshaus
auf, da sie heimatlos geworden waren. Die Zusammenarbeit mit ihnen beim
Sport, bei Arbeitsdiensten und Festvorbereitungen könnte nicht besser
sein. Heute besitzt der MR schon wieder 13 vereinseigene Boote:
1 Doppelachter
4 Doppelvierer
2 Riemenvierer
1 Dreier
2 Doppelzweier
1 Einer
1 Kunststoff-Skiff
1 Einer mit Steuermann
1 weiterer Doppelvierer ist in Auftrag
gegeben worden.
Wegen räumlicher Enge auf unseren Gewässern
und wegen der gewandelten Einstellung der heutigen Jugend - und auch der
etwas Älteren - zum Rudersport lassen die erzielten Ruderergebnisse
sicher keinen Vergleich mit denen unserer Gründungsjahre zu. So erruderten
die Mitglieder 1975 insgesamt 20.878 Kilometer. Wanderrudern ist heute
keine Weltanschauung mehr, sondern ein Freizeitangebot unter vielen. Unter
diesen Voraussetzungen kann sich die sportliche Ausbeute sicher noch sehenlassen.
Besonders die Fahrten auf Weser, Werra, Fulda, Mosel, Elbe, Ratzeburger
Seen, Moldau, Donau usw., veranstaltet vom DRV, LRV, anderen Vereinen und
von uns selbst, sind hier zu erwähnen.

Feste soll man feiern wie sie fallen...
Neben den sportlichen Betätigungen spielen
auch die gesellschaftlichen Ereignisse eine große Rolle. Aus den
Jahren vor dem Zusammenbruch steht in der Chroniknichts, aber es ist anzunehmen,
daß die Kameradinnen und Kameraden schon zu damaligen Zeiten kräftig
gefeiert haben. Denn wozu hatte man sonst im Bootshaus Baumschulenweg einen
Festsaal für 400 Personen gebaut? Aus Erzählungen ist zum Beispiel
bekannt, daß in der Winter-Saison jeden Sonnabend gejubelt wurde.
Der Stammverein, Frigga und Jung Frithjof richteten zusammen jährlich
das Stiftungsfest aus. Daneben veranstalteten die Abteilungen eigene Feste,
wie
einen chinesischen Teeabend, einen Maskenball, ein Strandfest. Zur Faschingszeit
gab es karnevalistische Sitzungen mit Elferrat, Funkengarde und Büttenrednern
aus Mitgliederkreisen. Beim An- und, Abrudern hielt man in großen
Ausflugslokalen Kommerse ab.
Nach dem Wiederbeginn standen zunächst
die persönlichen Begegnungen im Vordergrund. - Das offizielle An- und
Abrudern waren die "Ereignisse des Jahres", später kamen dann die Kerzenabende
hinzu, bei denen der Weihnachtsmann unseren Nachwuchs mit kleinen Geschenken
bedachte. Schon bald wurde die Ballsaison auch durch das Stiftungsfest
des Märkischen Rudervereins bereichert. Sind die ersten Jahre in der
Lichtburg an der "Plumpe" gefeiert worden, so gab seit einiger Zeit das
Restaurant der Berliner Kongreßhalle den stimmungsvollen Rahmen dafür
her. Zu erwähnen wäre noch die zur Tradition gewordene Pflaumenkuchenfahrt,
die sich zum 21. Male jährt. Hierzu gehen sagenhafte Gerüchte
um über die Mengen der vertilgten Kuchenberge, die unsere Damen großzügigerweise
gebacken und gespendet haben.
Zum absoluten Höhepunkt der Festivitäten
gehört zweifelsohne nun schon lange das Sommerfest. Zahlreiche Idealisten
verwandeln in aufopferungsvoller Arbeit das Bootshaus mit bühnen-
und fernsehreifen Kulissen in irgendein fernes Land bzw. versetzen es in
historische Zeiten. Einen kleinen Eindruck vermitteln die abgedruckten
Plakate. In Rudererkreisen hat nicht zuletzt das Sommerfest den Namen des
Märkischen Rudervereins in gutem Sinne bekannt gemacht, und so kommen
jährlich 300 bis 400 Gäste, um eine tolle Nacht am Pichelssee
zu feiern.
Die einst sehr lustigen "Himmelfahrtskommandos"
am Vatertag sind durch die Vielzahl der Motorboote und mangelndes Interesse
aus dem Veranstaltungskalender gewichen.
Es bleibt zu hoffen, daß sich auch
in den nächsten Jahren immer wieder Mitglieder zur Verfügung stellen
und das Vereinsleben durch attraktive Veranstaltungen bereichern.

Es wird nicht nur gerudert ...
Es wird im Märkischen Ruderverein aber
nicht nur gerudert und gefeiert, sondern zahlreiche Nebensportarten sorgen
für Abwechslung. Der frühere Berliner Regattaverein und jetzige
Landesruderverband Berlin hat sein Angebot ständig erweitert. Nach
dem Spruch von Pierre Coubertin "Teilnahme ist wichtiger als Sieg" sind
auch unsere Mitglieder fast immer am Start. Statt spektakulärer Siege
bei Regatten weist die Chronik Sieger und Placierte in verschiedenen Disziplinen
aus.
Anfänglich gab es zweimal im Jahr
Waldläufe, wobei wohl mit fortschreitender Motorisierung die Lust
am Laufen vergangen sein muß. Mit dabei ist jedoch immer ein Häufchen
Schwimmer. Einige, die von Anfang an mitmachten, starten heute schon als "alte
Herren".
Die Begeisterung beim "Knödeln" zum
An- und Abrudern führte zur Teilnahme am Fußballturnier des
Landesruderverbandes. Außer Knochenbrüchen und anderen Blessuren
konnten noch keine großen Erfolge verzeichnet werden. Das gilt auch
für das Volleyballturnier.
Zu einer festen Einrichtung sind inzwischen
die Tischtennis-Rundenspiele geworden. Hier kämpfen Kameraden in Spielgemeinschaft
mit der Ruderriege der Turngemeinde in Berlin (TiB) gegen andere Rudervereine
um Punkte und Klassenerhalt. Wenn man das Wandern auch als Ausgleichssport
betrachten will, so wäre noch die jährliche Bußtagswanderung
zu erwähnen.

Blick in die Zukunft
Die Vereinsgeschichte soll den Mitgliedern
und Freunden des Märkischen Rudervereins einen Einblick in die Entwicklung
geben und dabei in den Älteren Erinnerungen wachrufen und den Jüngeren
etwas Tradition näherbringen.
Mit dem Blick zurück kann der Verein
jedoch nicht aufrecht erhalten werden, der Blick muß in die Zukunft
gerichtet sein. Die Jahre vor uns werden dabei sicher nicht einfacher als
so manches vergangene Jahr. Der Verein als solcher hat einen sehr schweren
Stand in unserer schnellebigen Zeit. Er kann sich, wie schon erwähnt,
nur als eines von vielen Freizeitangeboten sehen. Vordringlich wird es
sein, Jugendliche und Junioren für den Rudersport zu interessieren.
Der Nachwuchs aus den eigenen Reihen reicht dazu nicht aus, auch wenn er
so zahlreich wie noch nie ist. Eine intensivere Jugendarbeit, die systematischer
sein müßte, ist notwendig. Schon deshalb, weil neue Betreuer
gebraucht werden und der Vorstand einer ständigen Verjüngung
bedarf. Wie schwierig es ist, Idealisten mit entsprechenden Fähigkeiten
für die Aufgabe zu finden, wissen nicht nur wir in unserem Verein.
Eine wesentliche Rolle spielt hierbei das Verhalten der länger dem
Verein angehörenden Mitglieder gegenüber den Neuen mit oftmals
progressiven Ideen. Mit gesunder Aufgeschlossenheit lassen sich bestimmt
Verbindungen zwischen den verschiedenen Meinungen und vernünftige
Lösungen schaffen. Neben den Voraussetzungen eines harmonischen Mitgliederlebens
gehören selbstverständlich auch die äußeren Bedingungen
zu einem gut funktionierenden Verein. Hier kann noch vieles verbessert
werden. Vordringlich wäre die Schaffung neuzeitlicher sanitärer
Einrichtungen, von denen schon so lange die Rede ist. Vielleicht gelingt
auch einmal der Aufbau des Bootshauses mit einem größeren Aufenthaltsraum.
und Umkleideräumen. Am Bootsbestand sind Neuanschaffungen nur als
Ersatz notwendig; die Erhaltung durch sorgsamen Umgang und ständige
Pflege ist ein Anliegen an alle.
Der Verein am Pichelssee soll aber immer
und trotz allem eine Stätte der Begegnung für viele Berliner,
westdeutsche und ausländische Wanderruderer bleiben. Er soll nicht
nur Ausgangspunkt für Wanderruderfahrten, sondern auch ein Treffpunkt
unserer älteren Mitglieder und gleichzeitig der Tummelplatz unseres
Nachwuchses sein. In unseren bescheidenen Räumlichkeiten stehen keine
Siegerpokale, denn der MR betreibt keine Rennruderei. Die uns gestellte
Aufgabe, die Pflege des Wanderruderns gibt uns auf Wanderfahrten die Möglichkeit,
neue Freundschaften zu schließen und alte zu vertiefen.
Symbol hierfür sind der Austausch
von Freundschaftsflaggen und Jerseys sowie gegenseitige Einladungen zu
sportlichen Begegnungen.
Dies war die Aufgabe in der Vergangenheit
und ist gleichzeitig Verpflichtung für die Zukunft.
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