|
MR-Home > Geschichte >
Vereine
Inhalt

Märkischer Ruderverein
Die wechselvolle Geschichte des Märkischen
Rudervereins, der am 31. Oktober 1901
gegründet wurde, ist mit einigen weiteren Vereinen eng
verknüpft. Der erste, der hier genannt werden
muss, ist der Berliner Ruderverein ,Frigga'", der
1908 bzw. 1909 als Mädchen- und Damen-Abteilung
im MR entstand und 1913 - als Konsequenz des Beitritts des Märkischen Rudervereins zum
Deutschen Ruderverband - selbstständig werden
musste. Zweiter in dieser Reihe ist der Berliner
Jugendruderverein ,Jung Frithjof'", der die
Jugend-Abteilung des MR darstellte, aber ab 1914 ebenfalls
als eigenständiger Verein geführt wurde. Alle drei
Vereine residierten im selben Bootshaus,
verfügten zum Teil über eigene Boote und waren im
übrigen unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft
Märkischer Adler" zusammengefasst. Die An- und
Abrudertermine wurden gemeinsam gestaltet, und auch die Feste wurden zum Teil gemeinsam
organisiert. Ende der Dreißigerjahre wurden
Frigga" und Jung Frithjof" wieder mit dem
Märkischen Ruderverein" verschmolzen.
Ein weiteres Kapitel schrieb das MR-Mitglied Erich
Wankelmuth, der auch Mitglied der NSDAP
war. Er gründete unter dem Dach des Märkischen
Adlers" die NS-Rudergesellschaft ,Horst
Wessel'", wie es am 8. Juni 1933 im Wassersport"
gemeldet wird. Diese hatte aber nur kurz Bestand, da
schon Ende des Jahres 1933 die Weisung des
Führer"-Stellvertreters Rudolph Hess erfolgte, dass
kein Sportverband bzw. -verein die Bezeichnung nationalsozialistisch" tragen durfte, da dies
nur Parteiorganen gestattet war.
Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg begann
offiziell am 9. Februar 1952 mit der Neugründung
des MR, zunächst unter dem Namen Märkischer
Adler-Wassersportverein", und unter der Flagge der
ehemaligen Frigga", nach der Rückbenennung
in Märkischer Ruderverein e.V." wird dann auch
wieder die alte Flagge des Märkischen Rudervereins geführt.
 |
|
Briefkopf aus den Tagen nach der Wiedergründung
|
Das bis jetzt letzte Kapitel in diesem
Zusammenhang schrieb der Märkische Ruderverein
zusammen mit dem Ruder Club Kirschner", beide
Vereine fusionierten am 1. März 1977.

Berliner Ruderverein Frigga"
Als der Vorsitzende Richard Nordhausen dem
Märkischen Ruderverein 1908 eine
Mädchenabteilung angliedern will, stößt er bei den Mitgliedern
auf heftigen Widerstand: Es waren hundert und
mehr Mitglieder, die mit ihrem sofortigen Austritt
drohten, wenn ich die Mädchenabteilung
aufbauen würde", erinnerte er sich anlässlich des 25.
Gründungsjahres. In diesem Falle mußte schon
sehr viel blinde Glaubenswut herhalten, um mich am erkannten Ziel nicht irre werden zu lassen. Wie
ein Bauernkriegspraktikant, redend und schreibend, warb ich um Verständnis. ... Es kam zu
eruptiven Ausbrüchen des Zorns, und meine ganze
damalige Autorität war nötig, um die Neugründung zu
erzwingen." (Wassersport 52, Nr. 7, 15.2.1934, S. 92)
Am 9. Februar 1909 wurde die Mädchen-
und Damenabteilung des Märkischen
Rudervereins offiziell eröffnet. Dank Nordhausens
werbendem Einsatz in der Presse und auf Versammlungen
meldeten sich einige hundert Mädchen und
Frauen, und so zählte die Abteilung gleich zu Beginn
110 Mitglieder.
Ganz so schwierig wie Richard Nordhausen
die Gründung der Damen-Abteilung nach 25 Jahren
des Bestehens selbst beschreibt, kann es aber
nicht gewesen sein. Schon zu Beginn des Jahres
1907 erschienen im Vorfeld der Abteilungsgründung
im Märkischen Ruderboten" hitzige Leserbriefe,
in denen das Für und Wider des Damen-Ruderns
erbittert diskutiert wurde. Die ablehnende Haltung gegenüber dem Frauenrudern wurde hierbei
überwiegend moralisch begründet:
Die Zeitungen machen neuerdings sehr
nachdrücklich Propaganda für das Damen-Rudern. Einige
unternehmende Fräulein werfen immer wieder die Frage
auf, weshalb sich die großen Wander-Rudervereine der
Sache nicht nachdrücklich annehmen. ... Zweifellos ist
die vernünftige Wander-Ruderei, wie wir sie betreiben,
dem Frauenkörper gerade so gesund wie dem unsrigen,
ja man möchte fast sagen, daß die durch das Korsett
entartete und geschwächte Frau, deren innere Organe
dank diesem Druckapparat beständig
zusammengepreßt werden und deren Verdauung wie Atmung stark
darunter leiden, daß sie gerade der Ruderarbeit
eigentlich kaum entbehren kann. ... Daneben sei gern
zugegeben, daß ein mit hübschen schick angezogenen
Mädchen oder Frauen besetzter Vierer recht reizvoll
ausschaut. Also wirklich: das weibliche Wesen, dem es auf ein
paar Ruderschwielen nicht ankommt, das vielmehr eine
Stärkung seiner Leiblichkeit, den Gewinn
echter Schönheitslinien anstrebt, dies liebe Wesen soll
ja rudern. ... Aber mit ihnen im selben Heim hausen,
dem M. R. eine Damenabteilung angliedern, das wollen
wir doch unterlassen. ... Aber wie denkt man sich
das Zusammenleben auf dem Bootsplatze? Wie wir
einen großen Teil unserer jungen Mitglieder kennen,
würden sie dem natürlichen Widerstand holder
Weiblichkeit nicht eisern widerstehen. Sobald die Damen in
diesen männlichen Sport hineinkommen, verändert er
seine Struktur. Was aber, wenn Mitglied sich zu Mitglied
findet? Entweder artet der Verein zu einem
Heiratskontor aus, wie es den großen Berliner Turnvereinen bei
ähnlichen Versuchen ergangen ist, oder noch
schlimmere Überraschungen treten ein. Die Ruderei ist ein
männlicher Sport, und die Ruderei kann auch recht gut
von Damen betrieben werden - diese beiden von mir
aufgestellten Behauptungen scheinen sich zu
widersprechen. Scheinen nur. Die große Wander-Ruderei wird
gemeinhin den Männern überlassen bleiben müssen. Alles
Damen-Rudern wird mehr Paddeln, deshalb jedoch, richtige Ausübung und Technik vorausgesetzt, nicht
minder nützlich sein. Aber wie wir Männer unter uns
bleiben und uns an der Freundschaft und Teilnahme
unserer verehrten Vereinsdamen genug sein lassen wollen,
so mögen auch die ruderlustigen Damen ihren Club
für sich gründen.
G.
Märkischer Ruderbote 5, 31.1.1907, Nr. 45, S. 711
gekürzt wiedergegeben
In der nächsten Nummer des Märkischen
Ruderboten wird dem Vereinskameraden G. gekontert, die Fortschrittlichkeit sowie Vorbildfunktion
des Märkischen Rudervereins werden als
Argumente ins Feld geführt:
Die ablehnende Haltung, die ein Kamerad in der
letzten Nummer des Ruderboten eingenommen hat,
scheint mir nicht ganz berechtigt zu sein. Ich verkenne
keinesfalls das Gewicht der von ihm vorgebrachten
Gegen-Gründe, aber ich bedaure, daß er nur sie
zusammengetragen hat. Wie andere Sportzweige, wird sich die
Frau auch die Ruderei erobern. Es fragt sich da, ob der
Märkische Ruderverein, der bisher bahnbrechend und
allen neuen Gedanken zugänglich gewesen ist, von nun
an auf der Bärenhaut liegen will. Früher war bei uns das
Wort im Gange, wir hätten uns nicht bloß
zusammengefunden, um einen neuen Verein zu gründen, ...
sondern wir waren die Träger einer n e u e n R u d e r b e w e g u n g.
Ist das wirklich anders geworden? ...
Stillstand bedeutet gerade für uns Rückschritt. Es hieße für
uns, von der erklommenen Höhe zurücksinken, wenn wir
tatenlos zusehen wollten, wie die Wander-Ruderei
sich neue, große Schichten erobert ... Das Problem des
Damen-Ruderns ist nicht kurzer Hand zu lösen. Es
verlangt eine gründliche und gewissenhafte Erörterung. ...
Mit Bequemlichkeit und Ruhebedürfnis ist der
Märkische Ruderverein nicht gegründet worden ...
e.f.
Märkischer Ruderbote 5, 28.2.1907, Nr. 46, S. 726
gekürzt wiedergegeben
Bei dieser Diskussion zwei Jahre vor der
offiziellen Gründung der Damen-Abteilung gingen die
Fortschrittlichen, die Befürworter des
Damen-Ruderns, als Sieger" hervor. Und so ist es nicht
verwunderlich, dass im Märkischen Ruderboten" vom
31. Mai 1908 eine Reklame erscheint, in der
eine Firma mit der vollständigen Ausrüstung
der Damenabteilung beauftragt" ist. In der
folgenden Ausgabe werden als Ruderleistungen im
Monat Mai 1908 für die Damen-Abteilung angegeben:
26 Tagesfahrten, 4.067 Mannschafts-Kilometer. Die höchste Kilometerzahl erreichten dabei:
Frl. Schwenke (88), Krüger (83), Gericke (83),
Günther (83), Hensel (83), Borcherdt (83)". Und so war
es die logische Konsequenz, dass nach einer gut
vorbereiteten Einführung die Damen-Abteilung
mit einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern
gegründet werden konnte.
Das Frauenrudern und die Einrichtung von Damen-Ruderabteilungen war auch in anderen
Vereinen heftig umstritten. Einige
Herrenrudervereine gestatteten nur den Ehefrauen, Töchtern
oder Bräuten ihrer Mitglieder zu rudern, wohl auch,
um einen Austritt bei Eheschließung zu
verhindern. Der erste Ruderverein, der eine
Damenabteilung gründete, war 1901 der Berliner Verein
Vorwärts. Es folgten 1904 der Deutsche Ruderverein Germania und 1909 der Märkische Ruderverein. All
diesen Rudervereinen war gemeinsam, dass sie nicht Mitglied des Deutschen Ruder-Verbandes
(DRV) waren, denn dieser duldete keine weiblichen
Mitglieder. Als der Märkische Ruderverein die
Mitgliedschaft im DRV beantragte, war er
gezwungen, die Damen-Abteilung abzuspalten und in
einen eigenen Verein umzuwandeln.
Im Märkischen Ruderboten" vom 1. Mai
1913 werden folgende Beschlussfassungen der Vorstandssitzung vom 26. März 1913
veröffentlicht: In der Ausschußsitzung des D. R.-V. am 16.
März wurde beschlossen, den M. R. aufzunehmen,
sofern er den Vorschriften des Verbandes entsprechend, ... die Damenabteilung abtrennen
würde. Die Vorstandssitzung beschloß einstimmig,
der zum 4. April einberufenen
außerordentlichen Hauptversammlung den Antrag auf Eintritt
des M.R. in den Deutschen Ruderverband zu unterbreiten und gleichzeitig auf dieser
Versammlung die erforderlich werdenden
Satzungsänderungen vorzunehmen. Der Damenabteilung wird auf
ihrer nächsten Sitzung ein Vorschlag zu ihrer Selbständigmachung unterbreitet werden."
Im Wassersport" 24. April 1913 verkündet
Richard Nordhausen den Vollzug: Die Damen-Abteilung ist von unserem Verein abgetrennt
worden, so daß der Märkische Ruderverein jetzt
keine weiblichen Mitglieder mehr hat. (Beschluß
der Damenabteilung vom 3. d. M.; Beschluß der
außerordentlichen Hauptversammlung vom 4. d.
M.) Berlin, den 16. April 1913."
 |
|
Damen in ihrer typischen Ruderkleidung bei der Ausbildung
|
Die in einen eigenen Damen-Ruderverein
umgewandelte Frauen-Abteilung des Märkischen
Rudervereins wird auf den Namen Berliner
Ruderverein ,Frigga`" getauft. Die Frigga" zählt zu den
ersten nach der Jahrhundertwende gegründeten
Frauenvereinen. Bereits 1901 wurde der Friedrichshagener Damen-Ruderclub gegründet, der als
erster selbstständiger, dauerhaft bestehender
Frauenverein gilt sowie den modernen Vorstellungen von Körperertüchtigung entspricht. Es folgte 1907
die Gründung der Lübecker
Damen-Rudergesellschaft und bis 1913 noch drei weitere Neugründungen
in Berlin sowie eine in Hamburg. Um 1920
existieren bereits 20 selbstständige Damen-Rudervereine
in Deutschland.
 |
|
Wettrudern der Damen auf dem Rummelsburger See am 4. September 1910
|
Einen besonderen Gründungsboom erlebten
die Damenabteilungen in Herrenvereinen während des ersten Weltkriegs. Die Damen waren als
Beitragszahlerinnen und zur Aufrechterhaltung des Ruderbetriebs sowie der Instandhaltung der
Bootshäuser willkommen. Nach Kriegsende und
der Rückkehr vieler Männer in die Rudervereine
zeigte sich jedoch bald, dass wenig echte
Überzeugung hinter der Aufnahme des Frauenruderbetriebs
gestanden hatte. Viele Damen-Abteilungen wurden mit dem Argument wieder geschlossen, dass der
gemeinsame Übungsbetrieb moralisch
schädliche Auswirkungen hätte. (Ellen Becker: Mit Rock
und Riemen", 1992, S. 44 f.)
 |
|
Damen am Steg des Stralauer Bootshauses
|
Die Frigga" blieb jedoch unangefochten
und nahm ihren Sitz im Bootshaus des MR in
Stralau, Krachtstr. 8. Stralau galt schon Ende des 19.
Jahrhunderts als Zentralpunkt des Berliner Wassersports und hier verbrachten Mitglieder fast
aller Gesellschaftskreise ihre Sommerferien und
nutzten die Spree und den Rummelsburger See für
wassersportliche Betätigung. Die Damen der
Frigga" widmeten sich der Wanderrudererei und
nahmen an Stilruderwettbewerben teil bzw. richteten
diese selber aus und feierten Feste. Bereits 1915
zählte die Frigga" 219 Mitglieder. 1926 zieht die
Frigga" mit dem MR in das provisorische Bootshaus
in Baumschulenweg um. Die Flotte des Damen-Rudervereins umfasst nun 14 Gigboote. Im
Wassersport" (Nr. 19, 8.5.1930) ist dann nach der
offiziellen Bootshauseinweihung im Jahre 1929 folgende Meldung zu lesen: Die Mitgliederzahl
des Berliner Mädchenrudervereins ,Frigga'
(Vorsitzender Erich Flügel, Berlin SO, Köpenicker Straße
Nr. 124) hat die 100 beträchtlich überschritten.
Zwanzigjährige emsige Arbeit fürs Frauenrudern hat
sich gelohnt; es ist heute nicht nur in Berlin
volkstümlich geworden, sondern beginnt in
zunehmendem Maße ganz Deutschland zu erobern. Die
,Frigga' hat unlängst ein weiträumiges, modernes
Bootshaus in Baumschulenweg bezogen; sie stellt
für diese Ruderzeit vier weitere Doppel-Vierer
in Dienst."
 |
|
Stadtfahrt der drei Achter im April 1928
|
Im Oktober 1931 veranstaltet die Frigga"
einen internen Stilruderwettbewerb mit
anschließender Taufe eines neuen Doppelvierers auf den
Namen des Gründers und Förderers der Frigga"
Richard Nordhausen. Den Taufspruch übernimmt der
Geehrte selbst und weist in seiner Rede daraufhin:
... daß die Frau, die noch vor wenigen Jahrzehnten
den Sport rein passiv, als nicht immer wohlwollend zuschauende Ehefrau, betrieb, sich nunmehr das Gebiet
der Wanderruderei in vollem Umfang erobert hat. Auf
der Spree sieht man heute schon an nicht wenigen
Sonntagen mehr Mädchenboote als unmotorisierte
Fahrzeuge der Herren-Rudervereine. Wenn diese Entwicklung
so weitergeht, und alle Anzeichen sprechen dafür,
dann werden die Frauen in nicht zu langer Zeit die
Vorherrschaft auf dem Wasser ausüben. Es sei denn, daß
die klägliche Wirtschaftslage und das unerträgliche
Übermaß polizeiwidrig rascher Motorboote die
Wanderruderei überhaupt zum Absterben bringt.
Wassersport 49, Nr. 44, 29.10.1931
Der Damen-Ruderverein Frigga" hatte
immer einen männlichen Vorsitzenden. Anfang
der Dreißigerjahre regte sich gegen diese Praxis
offensichtlich Widerstand, denn Richard Nordhausen thematisiert die Diskussion in einem Artikel
im Wassersport":
Also, die Frauenruderei marschiert, und nichts wird
sie aufhalten. Auch Erörterungen über die heute ganz
nebensächliche Frage nicht, ob es förderlich ist, sie
unter weibliche oder männliche Leitung zu stellen. Im
allgemeinen setzt die Anfängerin höheres Vertrauen in
die Erfahrung bewährter Männlichkeit; weiß sich
die Fahrensmaid dann erst einmal mit allen Wassern
gewaschen, in Wind und Wetter erprobt, und zählt sie zu
der Minderheit, die lieber von Eva als von Adam regiert
sein will, dann mag's sein, daß sie auch ruder- und
verwaltungstechnische Gründe für ihre Stimmungen findet.
Wassersport 52, Nr. 7, 15.2.1934
Es bleibt dabei, Männer fungieren weiter als
Vorsitzende des Damen-Rudervereins Frigga".
Im Laufe der Jahre übernehmen dieses Amt die Herren Arnold Pankrath, Oskar Heidemann,
Max Pfeifer und Erich Flügel.
 |
|
Richard Nordhausen tauft ein Boot der Frigga" auf seinen Namen
Die Woche Nr. 34, 1909 |
Der Berliner Ruderverein Frigga" feiert sein
Stiftungsfest generell nicht anlässlich seiner
offiziellen Gründung im April 1913, sondern immer
anlässlich der Eröffnung der Mädchen- und
Damen-Abteilung des MR im Jahre 1909. Dies liegt
vielleicht am Selbstverständnis der Frigga", denn die
Satzung der Damen-Abteilung war schon so
gestaltet, dass sie als selbstständiger Verein
agieren konnte - wir können es heute nur vermuten.
Gegen Mitte der Dreißigerjahre nimmt die
Mitgliederzahl der Frigga" erneut ab, im
statistischen Almanach des Wassersports findet sich 1938
die Mitteilung, dass der Berliner Ruderverein
Frigga" mit dem Märkischen Ruderverein
verschmolzen worden ist.
 |
|
Aufholen des Achters
Die Woche Nr. 34, 1909 |
Flaggenlied der Frigga"
- Die Flut ist unser! Durchs Gelände
eilt Friggavolk mit kühnem Sinn, und sicher führen Mädchenhände das Boot durch Wind und Wellen hin. Uns muß ja jede Fahrt gelingen! Denn sei das Ziel auch noch so fern, der Heimat Adler regt die Schwingen für uns! Und hell strahlt unser Stern.
- O Ruderkunst, geliebte Mühe!
Glück, mit des Stromes Melodien in märchenstiller Sonntagsfrühe rasch über Fluß und See zu zieh´n! Des Wassers Blau schäumt weiß kristallen und lockt uns in das Morgenrot - die schönsten Farben doch von allen umleuchten unser Friggaboot.
- Es grüßt aus unsrer Flagge Falten
ein reines Weiß, kreuzüberblaut; so wollen wir in Ehren halten, was rein und weiß uns anvertraut. Auf weißem Grund des Himmels Bläue, rot funkeln Aar und Stern hinein - das sind die Farben inn´ger Treue, der Herzensfreundschaft im Verein.
- Drei Farben laßt uns eng verweben!
So stolz und stark, wie wir die Flut bemeistern, meistern wir das Leben! Rot ist und jung der Rud´rin Blut - drei Farben, funkelnd wie Juwelen! Wo flott ein Boot des Weges zieht, ein Friggaboot, kling´ durch die Seelen von weiß - blau - rot das Flaggenlied!
Text: Richard Nordhausen
 |
|
Die jungen Damen im Uebungskasten
Die Woche Nr. 34, 1909 |
 |
|
Die Vierer-mannschaft" vor dem Kommando zum Ablegen
Die Woche Nr. 34, 1909 |
 |
|
Eine kleine Frühstückspause
Die Woche Nr. 34, 1909 |
 |
|
Der Achter stoppt
Die Woche Nr. 34, 1909 |

Berliner Ruderverein Jung Frithjof"
Am 14. April 1914 wurde der Berliner
Ruderverein ,Jung Frithjof'" von den Märkern
gegründet. Schon Jahre im Vorfeld dieser
Vereinsgründung begann die Diskussion um die Jugend-Ruderei.
Im Märkischen Ruderboten" erschien im
Juni 1912 der Vorabdruck eines Artikels aus dem
Jungdeutschland-Kalender für 1913" unter dem
Titel Die Ruderei und die nationale Jugend". Der
Verfasser beklagte, dass der Staat zwar die
Gymnasiasten-Ruderei unterstützte, jedoch nicht
die Ruderei für die Jugend aus schlechter
bemittelten Gesellschaftsschichten und appellierte an die
großen Rudervereine, die ein Herz für die
Jugend unseres Volkes haben" und forderte, dass
jeder national gesinnte Ruderverein es sich zur
patriotischen Aufgabe machen muß, eine
Jugend-Abteilung ins Leben zu rufen und zu erhalten -
aber nicht etwa nur für die Söhne, Neffen usw.
seiner Mitglieder!" Der Artikel bewirkte eine
Diskussion unter den Märkern. In der Vereinszeitung
erschienen 1912 Stellungnahmen zur Frage des
Jugend-Ruderns. Die darin zitierten Fachblätter des
Rudersports befürworteten für die Jugend zwischen 14
und 18" ausnahmslos das Rudern, da die
männlichen Tugenden bei den Heranwachsenden,
... wie Zähigkeit, Selbstvertrauen,
Geistesgegenwart, Manneszucht" und auch die bewußte Liebe
zur Heimat" gerade durch die Wanderruderei
geweckt und gestärkt würden. (Märkischer Ruderbote
10, Nr. 113, 30. September 1912, S. 1626)
Die Märker befürworteten selbstständige
Jugendvereinsgründungen und lehnten die bloße
Angliederung von Jugend-Abteilungen an
Herrenvereine jedoch ab. Dies geschah ganz im Sinne der
Kabinettsorder vom 27. Januar 1898, die
vorschrieb, dass Schüler von den Rudervereinigungen der
Erwachsenden unbedingt ferngehalten werden
müssen. Diese wurde sogar in der zweiten Ausgabe
des Märkischen Ruderboten" abgedruckt. 1914
war es dann endlich soweit. In der Vorstandssitzung
am 25. März 1914 wurde Richard Nordhausens Antrag auf Gründung eines eigenständigen
Jugendrudervereins einstimmig angenommen. Zum ersten Vorsitzenden des Jung Frithjof" wurde
A. Mäcke, zum Stellvertreter Franz Schaak und
als Schatzmeister Erich Flügel gewählt.
Die Nr. 134 des Märkischen Ruderboten" vom
8. Juni 1914 wies erstmals im Untertitel
den Großberliner Jugendruderverein Jung
Frithjof" aus. Der Märkischer Ruderbote" war fortan
gemeinsames Organ des Märkischen
Rudervereins, der Frigga" und des neuen Jugend-Vereins.
Die drei Vereine wurden laut Beschluss der
außerordentlichen Hauptversammlung vom 10. Juli
1914 unter dem Namen Märkischer Adler" als
Arbeitsgemeinschaft zusammengefasst, die auch eine eigene Satzung erhielt.
Bereits im Juni 1914 absolvierten die
Mitglieder des Jung Frithjof" 2068 Bootskilometer. Das
erste Sommerfest des jungen Rudervereins fand am
4. Juli 1914 statt. Richard Nordhausen bezeichnete in seiner Festrede anlässlich dieser
Veranstaltung den Jung-Frithjof als strammen Säugling, zu dessen tatkräftigem Vater sich der Märkische
Ruderverein, zur gütigen Mutter die Frigga bekennt."
Der Ausbruch des ersten Weltkrieges und
die Mobilmachung Anfang August 1914 störten
das Vereinsleben empfindlich. Viele Mitglieder des Jung Frithjof" wurden eingezogen, darunter
auch der Vorsitzende und sein Stellvertreter.
Daheim gebliebene Mitglieder übernahmen die
Geschäfte (Robert Ammann, Vorsitzender; Walter
Sander, Stellvertreter). Anfang 1916 befanden sich
vom Märkischen Ruderverein und vom Jung
Frithjof" insgesamt 220 Vereinskameraden an der Front.
18 Gefallene waren zu diesem Zeitpunkt bereits zu beklagen.
Nach dem Krieg erholte sich das Vereinsleben
nur mühsam und wurde durch die
Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre beeinträchtigt. Die
Vereinsaktivitäten und der Ruderbetrieb wurden
dennoch weitgehend wieder aufgenommen. An- und Abrudern, Dauer-Wettrudern, Oster- und
Ferienfahrten und eine Vielzahl von Sitzungen
standen regelmäßig auf den Vereinskalendern
der Zwanzigerjahre. Das gesellige Leben mit seinen Sommerfesten, Sonnenwendfeiern,
Vortragsabenden, Weihnachtsfeiern und den
alljährlichen Stiftungsfesten blühte ebenfalls wieder auf.
Rückblickend schrieb Richard Nordhausen
im Wassersport" 1934: Gegen die Jugendruderei
- ,Säuglingszappeln' ward sie getauft - setzte
man sich ... reckenhaft zur Wehr und begrub unter Hohngelächter die düstere Prophezeiung, daß
ein Jahrzehnt später jeder Ruderverein seine
Jugendabteilung hätscheln werde." (Wassersport 52, Nr. 7, 15.2.1934, S. 92)
Im Zuge der nationalsozialistischen
Umgestaltung des Sports wurde am 4. Juni 1935 der
Berliner Jugend-Ruderverein ,Jung Frithjof'", dem MR
als Jungmannen-Abteilung angegliedert.

Ruder Club Kirschner
Von der Ruderriege einer Oberrealschule zum Märkischen Ruderverein
Wesentliches und Episoden aus der
Vereinsgeschichte des Ruder Club Kirschner
Die Gründerjahre strebten ihrem Höhepunkt
entgegen, als Rudolf Virchow 1891 zum
Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Geblieben ist sein
Name im heutigen Universitätsklinikum der Charité.
Die Durchsetzung dieses Bauprojektes, wie auch des Osthafens, des Krankenhauses Buch sowie
weiterer großer Vorhaben, ist an einen anderen
Namen geknüpft: Martin Kirschner (1843 - 1912). Für
Wilhelm II. ein wenig zu freisinnig, musste er nach
seiner Wahl zum Oberbürgermeister geraume
Zeit auf die Bestätigung durch den Kaiser im Jahre
1899 warten. Aus Gesundheitsgründen verließ er
1912 sein Amt und wurde Ehrenbürger. Kurz vor
der geplanten Zeremonie starb er im September 1912.
Aus dem enormen Bevölkerungszuwachs der
Stadt in dieser Zeit resultierte die Ausweitung
neuer Stadtteile, wie Hansaviertel und Moabit.
Ziemlich genau an der Grenze beider Stadtviertel
entstand in der Zwinglistraße eine neue Oberschule
mit gediegener Ausstattung für die
naturwissenschaftlichen Fächer. Sie wurde 1912 eröffnet und erhielt
als Reverenz an den Oberbürgermeister ihrer
Bauzeit den Namen Kirschner
Oberrealschule" (KOR). Zum Gründungsdirektor wurde Prof.
Dr. Johannes Tropfke berufen. Er blieb bis 1932
Leiter dieser Schule. Sein Name und der Martin Kirschners begegnen uns heute am Bug
zweier Vierer des Märkischen Rudervereins wieder.
Die Abtretung der Provinz Posen an Polen als
Folge des ersten Weltkrieges brachte wenige
Jahrzehnte nach dem Ansturm der Gründerzeit eine
weitere Bevölkerungszuwanderung aus diesem Gebiet
in das verbliebene Deutsche Reich. So kam 1919 ein Pennäler, Gerhard Gassner, der in Posen die
ersten Ruderschläge gelernt hatte, nach Berlin und in
die KOR. Er empfand es als unerhörte Tatsache",
dass die KOR keine Rudermöglichkeit bot und
propagierte die Gründung eines Rudervereins an
der KOR".
Entscheidend unterstützt wurden diese
Aktivitäten durch den Mathematiker und Ordinarius der
Prima, Dr. Karl Bauch. Er erreichte, dass die KOR
in den Schüler Ruderverband Wannsee aufgenommen wurde und zunächst verbandseigene
Boote (Riemenvierer mit festen Sitzen) benutzen durfte.
Auf dieser Basis konnte der Wunsch
Wirklichkeit werden: Am 1. Mai 1919 wurde im Physiksaal
der Schule der Ruderverein der KOR" gegründet.
Protektor wurde Dr. Bauch, Vorsitzender
(Schüler) Gerhard Gassner. Mit 18 Mitgliedern, die vom
Rudern wenig Ahnung hatten, ging es los.
 |
|
 |
|
 |
| Johannes Tropfke |
|
Martin Kirschner |
|
Dr. Karl Bauch |
Die erste Wanderfahrt in zwei Vierern, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Marinekuttern hatten
und allen Schülerruderern in Wannsee
wohlbekannt waren, ging nach Lehnin, dauerte vier Tage
und verlief zur Zufriedenheit der Beteiligten. Im
ersten Ruderjahr kamen so 520 Boots-km zusammen.
Der Wunsch nach eigenen, möglichst auch
leichteren, Booten machte sich breit und so
beschlossen die Schüler im Winter zwei Feste zu
veranstalten, um zu Geld zu kommen. Der Reinerlös
gestattete schon im November 1919 die Bestellung
eines Vierers, später Odin" getauft, für 2.800,-
Mark. Der Preis für das zweite Boot Freya", bestellt
im Februar 1920 für 4.200,- Mark, deutet schon
auf die beginnende Inflation hin.
Das ausgeprägt merkantile Verhalten unserer
Altvorderen kann man heute nur als cool"
bezeichnen. Es wird noch deutlicher bei weiteren
Bootsanschaffungen im Jahre 1921. Die Angebote Berliner Bootsbauer lagen im Spätsommer
zwischen 13.000,- und 17.000,- Mark je Boot. Bestellt
wurden in Brandenburg zwei Boote, für die
zusammen 18.500,- Mark gezahlt wurden, die infolge
der fortgeschrittenen Inflation mit Leichtigkeit
aufgebracht werden konnten.
Die Distanz zu dieser Zeit wird andererseits deutlich, wenn man aus dem Jahresbericht
1920/21 entnimmt: ... nach dem der Verein sich auf
feste Füße gestellt hatte, in erster Linie die
Schaffung einer Ruderehre und eines scharfen
Vereinsehrgeizes zu erstreben sei."
 |
|
Bootshaus am Kleinen Wannsee
|
Als der erste rudernde Klassenjahrgang das
Abitur machte, kam unter den Ruderern die Frage
auf: Was nun? Anhängsel des Schülerrudervereins,
ein Wechsel zu anderen nicht schulgebundenen Vereinen oder welcher Weg sollte eingeschlagen
werden? Bei der Zusammenfassung der
geäußerten Gedanken ergaben sich Gesichtspunkte, die
sich bald als Anliegen herausstellten: Man wollte
mit dem Schülerruderverein (SRV), den man selbst
mitgegründet hatte, auch in weiterer
Verbindung bleiben. Der SRV sollte sportlich und finanziell
unterstützt werden. Der ewige Wechsel der
Mitglieder eines Schülervereins ist zur Deckung
seiner Kosten auf die Unterstützung der immer neu
hinzukommenden Ehemaligen angewiesen", durch die eine Verstetigung" erreicht wird. Nur so
könne eine gute Rudertradition" geschaffen werden.
 |
|
Flagge des Alt-Herren-Ruderverbandes Wannsee
|
Am 23. Februar 1921 wurde schließlich der
Alt-Herren-Verein der Ruderriege der Kirschner
Oberrealschule (AHV der KOR)" mit 16 Mitgliedern
gegründet. Im April 1922 waren es schon 50!
Nicht zu übersehen ist in Wortwahl
und Gedankenführung der Hintergrund
studentischer Verbindungen und ein ausgeprägt
nationales Bewusstsein. Die sportlichen Aktivitäten lagen
wie bei den Schülern im Wanderrudern und
brachten 1922 für jedes aktive Mitglied eine
durchschnittliche Ruderleistung von 25 km je Fahrt.
 |
Die schwieriger werdenden äußeren
Bedingungen - Inflation, Arbeitslosigkeit, politische
Einflüsse durch das Erstarken der Nationalsozialisten -
gingen nicht spurlos am AHV vorüber, konnten
ihn jedoch nicht fundamental erschüttern. Der
Zusammenhalt mit dem Schülerruderverein blieb
bestehen und wurde durch die gemeinsame Nutzung von Booten und der Unterkunft beim
Schülerruderverband Wannsee (SRVW) gestützt.
Rauschende Feste brachten ansehnliche
Überschüsse, die zur Anschaffung weiterer Boote
verwendet wurden. Der Mitgliederstand pendelte sich bei
ca. 50 Mitgliedern ein. Der sportliche Höhepunkt
des Ruderjahres war die Austragung des vom AHV gestifteten Dr. Karl Bauch-Wanderpreises bei
einem Rennen zwischen AHV und SRV. Wanderfahrten auf den Gewässern der Mark Brandenburg,
insbesondere nach Paretz und Leest, gehörten
zum Wochenende, Urlaubsfahrten erreichten via Oder die Ostsee.
 |
Um die beim SRVW üblichen Regeln zu
umgehen, wurden insbesondere für Urlauber, die ihren
Militärdienst leisteten, einige Boote bei der
PIWA" in Spandau untergebracht, die den Krieg
nicht überlebten.
Die in Wannsee lagernden Boote kamen
unbeschädigt über die Kriegszeit, wurden aber
wenige Tage vor Kriegsende von deutschen
Verteidigern" durch gezielte Plankenbrüche unbrauchbar
gemacht. Alle Räume des Bootshauses in der Bismarckstraße boten Flüchtlingen und
wohnungslosen Berlinern eine Notunterkunft. Die Boote
waren von der Militärregierung beschlagnahmt,
der AHV, wie alle anderen Vereine, aufgelöst.
Als sich die ehemalige Reichshauptstadt von
einem großen Trümmerhaufen zu einer
aufgeräumten Trümmerlandschaft wandelte, zeigten sich
erste, vorsichtige Zeichen der Normalisierung. Im Dezember 1946 fanden sich acht
Ehemalige", ruder-, trink- und sangesfreudige"
Kirschnerschüler in Friedenau zusammen, um den mit
dem Deutschen Reich untergegangenen AHV der Ruderriege der Kirschner Oberrealschule" zu
reanimieren. Als Hilfsmittel konnten eine Flasche Schnaps für 250,- Reichsmark und eine Lage
Chesterfield (8,- RM/Stck) beschafft werden.
Harry Beck, gelernter Speditionskaufmann
und fremdsprachlich versiert, war inzwischen
Dolmetscher bei einer amerikanischen Dienststelle
und ergriff die Initiative, die konfiszierten Boote frei
zu bekommen und nach der Instandsetzung wieder zu nutzen. Da der Große Wannsee
(Amerikanischer Sektor) als Sperrgebiet galt und
am Griebnitzsee die Sowjetische Zone begann, entstand die Idee, die Boote nach Freigabe durch
die US-Militärregierung in Spandau (Britischer
Sektor) zu stationieren und so ein größeres
Nutzungsgebiet von Pichelsdorf bis Kladow befahren
zu können. Unter großen Mühen gelang es, im
Sommer 1947 einige freigegebene Boote mit einer Sondergenehmigung auf einem Ponton zur
Scharfen Lanke zu transportieren und dort zunächst bei
der Reineke Werft einzulagern. Bald darauf
wurden geeignete Räume und Bootsstände
beim Spandauer Ruderclub gemietet. Die restlichen, vorher nicht auffindbaren Boote konnten
inzwischen in Wannsee aufgespürt und im Schlepp
der inzwischen reparierten Ruderboote von Wannsee nach Spandau überführt werden.
Am 27. Oktober 1948 erreichten die
mühevollen Aktivitäten der Nachkriegszeit ihren
Höhepunkt: Der AHV erhielt von der Militärregierung die
Lizenz als nichtpolitische Organisation" und
war nach dem Berliner Ruderclub der zweite
lizenzierte Ruderverein in Berlin (West).
Schüler der oberen Klassen hatten damit die
Möglichkeit, bis zur Neugründung des SRVW im
Jahre 1950 beim AHV als Jugendriege zu rudern. Ab dem Abitur 1948, exakt am Tage der vieles
verändernden Währungsreform, gab es - wenn
auch spärlich - wieder Nachwuchs für den
Alt-Herren-Verein.
Die beginnende Berliner Blockade war kein schwieriges Hindernis für die Wiederaufnahme
von Wanderfahrten über die Stadtgrenzen
hinaus. Das schon aus den Zwanzigerjahren beliebte Wirtshaus in Leest/Wublitz wurde erneut
unser Stammquartier. Besonderen Reiz boten die
Obstplantagen der Umgebung.
Volkspolizei-Kontrollen auf dem Wasser machten den Transport
frischen Obstes jedoch manchmal schwierig. Unter
Ausnutzung des Freiraumes unter den Bodenbrettern konnten Probleme vermieden werden, den
Kirschen bekam der gekühlte Transport gut.
Der Wandel politischer und gesellschaftlicher
Auffassungen führte den Verein in den Folgejahren
zu einer angespannten Situation, die zum Beschluss der Einrichtung einer Damenriege am 6.
Januar 1950 führte. Für den um die Wiedergründung
verdienten Vorsitzenden und Vollblutruderer Harry Beck war diese Entscheidung der Anlass zum
Austritt aus dem Verein.
Die Kirschnerschule war durch die
Neugliederung der Berliner Schule bis 1951 auf ca. 100
Schüler geschrumpft und das Ende des Zugangs neuer
Mitglieder aus deren Reihen stand fest. Die Konsequenz war die Entscheidung, auch
schulfremde Mitglieder aufzunehmen.
Mit der skizzierten Entwicklung stellte sich
automatisch die Frage nach einem neuen Namen. Im Januar 1953 entstand so der Ruder Club
Kirschner e.V." (RCK). Bei ca. 50 Mitgliedern kamen im
Jahr weniger als 4000 km Ruderstrecke zusammen,
der Schrumpfungsverlauf war nicht zu übersehen.
Eine wesentliche Ursache war das seit dem 1. Juni
1953 bestehende Verbot, das Gebiet der DDR mit
Sportbooten aus Berlin (West) zu befahren.
Die gesellschaftlichen Kontakte liefen im
gegebenen Rahmen recht rege und zur Zufriedenheit
der Beteiligten. Die politische Großwetterlage
wird deutlich an einem Vorgang, der den RCK ganz
unmittelbar berührte: Hanno Evenius, heute
Ehrenvorsitzender des MR, war in Bautzen aus
politischen Gründen inhaftiert. Er wurde im Dezember
1953 Ehrenmitglied und kam wenige Wochen
später überraschend frei. Für viele Jahre übernahm
er den Vorsitz des Vereins und knüpfte,
inspiriert durch die enge Verbindung seines Vaters als
Studienrat an der Kirschner Schule, viele Kontakte
zu ehemaligen Kirschnerschülern wieder an und
gewann damit fördernde Mitglieder.
Nach fast zehnjähriger Unterkunft beim
Spandauer Ruder Club benötigte dieser den Platz
selbst und der RCK fand im April 1957 im Bootshaus Nixe in Wannsee für einige Jahre ein neues
Quartier. Laufende Mietsteigerungen führten nach
fünf Jahren zum nächsten Umzug. PIWA"
in Pichelsdorf war das neue Bootshaus.
 |
|
Abrudern am 10. Oktober 1959
|
Wirtschaftlich gesund und durch die über
den Landesruderverband Berlin (LRV) gewonnenen Kontakte zur Berliner Wanderruderei, auch
kameradschaftlich und sportlich, verliefen die Jahre
bis 1973 zeitgemäß positiv. Die ökonomischen
Interessen des Vermieters führten neuerlich zu Reibungen. So reifte im Vorstand des RCK der
zunächst ablehnend aufgenommene Gedanke, mit
einem geeigneten anderen Ruderverein zusammen zu
arbeiten. Allen Beteiligten war zu dieser Zeit
unbekannt, dass der Märkische Adler
Wassersportverein e.V." 20 Jahre zuvor nach einer
Anregung durch den LRV versucht hatte, Kontakt
aufzunehmen.
Es begannen zunächst sehr vorsichtige
Sondierungen, die in Bruno Schönwetter, dem
damaligen Vorsitzenden des MR, einen offenen und
nach vorn gerichteten Gesprächspartner fanden.
Im Dezember 1973 konnten diese durch einen Vertrag mit dem Märkischen Ruderverein, der
als Verlobung interpretiert werden kann,
abgeschlossen werden. Als nach drei Jahren auch die
Skeptiker überzeugt waren, war die Zeit für eine
Fusion gekommen. Nach der einstimmigen Annahme des Fusionsvertrages durch die
Hauptversammlungen beider Vereine wurde die neue Satzung
des Märkischen Rudervereins ab 1.März 1977 gültig.
Ruderlied des SRV der KOR und seines AHV
Hipp, Hipp, Hurra mit Jubelklang der edlen Ruderei
- Als Gott der Herr die Welt gemacht
In aller ihrer Pracht, Hat an die braven Rudersleut´ Besonders er gedacht. Den Fluß, den Strom und all die Seen Schuf er zu ihrer Freud, Dazu noch Wiesen, Wald und Feld In grüner Herrlichkeit.
Pflanzt in des echten Rudrers Brust Auch Wanderfreude ein. O welche Wonne, welche Lust, Ein Rudersmann zu sein.
- Wenn hell die Sonn´ am Himmel lacht
Und mild die Lüfte wehn, Dann frisch die Boote klargemacht, Wer kann da widersteh´n? Tönt das Kommando: Fertig - los! Wie dehnt die Brust sich weit. Kein Weg zu lang, kein Ziel zu groß, Es schlägt das Herz vor Freud.
Kraftvoll die Riemen angepackt, Pfeilschnell das Boot dahin. Fröhlich im gleichen Rudertakt, Ziehen wir hinaus ins Grün.
- Hipp, hipp, hurra mit Jubelklang
Der edlen Ruderei! Sie stählt den Körper, hebt den Mut Und macht uns frisch und frei. Sie schafft viel Freude, schlingt um uns Der Freundschaft starkes Band Und lehrt uns lieben die Natur, Das deutsche Vaterland.
Laßt uns in Treu und Einigkeit Ihr dienen fort und fort Fröhlichen Mutes allezeit. Es leb´ der Rudersport!
Melodie: Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot
|